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Vintage Möbel

Vintage (engl. alt, altehrwürdig, erlesen) bezeichnet ursprünglich eine Moderichtung, die einer vergangenen Zeit angehört, wird aber außer für Kleidung und Accessoires inzwischen auch auf Möbelstile und Musikinstrumente angewandt, die einer früheren Epoche zugehören. Hierbei muss man unterscheiden zwischen „true vintage“ und „vintage“ oder „Retrolook“. Mit „true vintage“ sind die Gegenstände gemeint, die noch tatsächlich aus einer längst verflossenen Zeit stammen und sich bis heute erhalten haben und zwischen „vintage“ (Synonym: Retrolook), welches die Objekte bezeichnet, die im Stil einer bestimmten vergangenen Epoche nachgebaut wurden.

Faszination von Vintage-Möbeln

Ähnlich wie alte Röcke, Kleider, Brillen oder Taschen mit Gebrauchsspuren haben auch alte Möbel mit ihren Kratzern und Abnutzungsspuren und der altersbedingten Patina, die ihre individuelle Lebensgeschichte widerspiegelt, eine ganz besondere Ausstrahlung. Oft erinnern sie an die historischen Zeitläufte, die man selber schon in seinem eigenen Leben miterlebt hat. Oder an selige Kinderzeiten in Omas und Opas guter Stube. Oder auch noch weiter zurück an längst vergangene Epochen voller Glanz und Gloria, die lange vor unserer eigenen Lebenszeit zurück datieren und die wir nur vom Hörensagen oder aus unseren Geschichtsbüchern kennen. Sie faszinieren, weil sie aus dem gewohnten, oft reichlich puristischen und nüchternen Stil unserer Umgebung mit den langweiligen Fabrikmöbeln herausstechen und uns Menschen irgendwie das Gefühl geben, sie hätten uns eine Geschichte zu erzählen. Sie machen uns wehmütig, weil wir in der Erinnerung bestimmte Situationen oder Bilder (meist positiver Art) mit ihnen verknüpfen, ja sogar Düfte und die Atmosphäre längst vergangener Tage wieder evozieren, wie etwa den schweren Duft der Gardenien in Großmutters guter Stube oder den herrlichen, mit Zimt, Nelken und Rosinenspuren durchzogenen Bratapfelgeruch, der vom auf dem Jugendstilöfchen vor sich hin brutzelnden Pfännchen aus erst dezent, aber dann immer drängender Nasen und Gaumen in Vorfreude kitzelte.

Gemütlich wohnen mit Vintage-Möbeln

Kein Wunder also, wenn Möbel und andere Gegenstände aus Omas Zeiten sehr gefragt sind. True Vintage oder auch Vintage Design Möbel (Retro-Möbel im Vintage-Design) sind heute und eigentlich schon seit vielen Jahren absolut „en vogue“. Durch den Vintage-Trend entstand ein beinahe schon etwas paradoxes Phänomen: Während Attribute wie „alt, gebraucht, verlebt, ramponiert, verkratzt, verblichen“ bei den meisten anderen Gebrauchsgegenständen unseres Alltags eher negativ vorbesetzt sind und sich tendenziell verkaufs- und wertmindernd auswirken, machen sie bei vielen alten Möbelstücken gerade erst deren besonderen Wert und Charakter aus. Das schon einmal lange Zeit genutzte, von deutlich sichtbaren Gebrauchsspuren gezeichnete Möbelstück ist nicht nur salonfähig geworden, sondern sogar gefragt, gesucht und heiß begehrt.

Ganz besonders die echten Vintage-Möbel gelten noch immer als wahre Zeitzeugen ihrer Epoche, in der sie noch klassisch und ganz individuell vom Schreiner in aufwändiger Handarbeit gefertigt wurden. Kaum ein Stück glich dem anderen aufs Haar, was eben gerade ihre Individualität ausmachte. True Vintage-Möbel als interessanter Trend gegen seelenlose, in Serie produzierte Fabrikmöbel von der Stange und nicht aus echtem Holz mit klassischen Holzverbindern, sondern aus Spanplatten gefertigt und verschraubt? Als Trend gegen Konsum- und Wegwerfdenken, gegen Konformität und Sterilität, aus Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und schöpferischer Kreativität wieder hin zu mehr persönlicher Individualität? Ja, das könnten neben einem Hauch Nostalgie tatsächlich die wahren Beweggründe sein.

Neue Möbel – auf alt getrimmt: der Shabby Chic Look

Die anhaltende Beliebtheit und Nachfrage nach gebrauchten Designklassikern hat in der Möbelszene einen neuen Trend geschaffen: Neu produzierte Möbel, die künstlich auf Alt und Abgenutzt getrimmt werden, werden von spezialisierten Gewerbebetrieben eigens für den Markt gefertigt.

So ist beispielsweise der „Shabby Chic Look“ (wörtlich: schäbiger Schick-Look) eine allseits beliebte Stil-Variante dieses Trends, der sich gewöhnlich aus einer gekonnten Mischung von Erb- und Flohmarktstücken sowie Selbstgefertigtem zusammensetzt, bei dem künstlich hergestellte Gebrauchsspuren zum ästhetischen Grundkonzept gehören. Auf Shabby Chic getrimmte Möbel wirken mit ihren zarten, ausgeblichenen Pastell- und hellen Naturtönen weich, verspielt, romantisch und nostalgisch und sprechen deswegen vor allem Frauen an.

Dieser Stil entstand in den 1980er-Jahren in England. Er entwickelte sich ursprünglich als nichtkommerzielle Gegenbewegung zu dem Trend der oberen Mittelklasse, sich mit sündhaft teuren repräsentativen Möbeln im viktorianischen Stil einzurichten.

Die englische Stylistin Rachel Ashwell eröffnete 1989 in Santa Monica in Kalifornien ein Geschäft, in dem sie Originale von Flohmärkten verkaufte und diese mit dem Oxymoron Shabby Chic als Warenzeichen schützen ließ. Die Firma gleichen Namens stellt Stilmöbel und anderes her, bei dem die Abnutzungsspuren (abgeplatzter Lack, Sichtbarkeit von Schichten mehrerer übereinander liegender Lackierungen, scheinbar rohes, unbearbeitetes Holz) – ähnlich wie bei manchen Jeanshosen – künstlich erzeugt werden. Accessoires wie Gardinen und Kissen mit altmodischen Blumenmustern, grobe Leinenstoffe sowie romantische, verspielte Formen und Muster in überwiegend matten, hellen und zarten Pastellfarben ergänzen das Stilkonzept.

Der Einrichtungsstil Shabby Chic hat sich von einer ursprünglich alternativen Gegenbewegung hin zum Massentrend entwickelt, der trotz allem der Individualität nicht entbehrt, denn Shabby Chic stellt immer eine Kombination aus Altem sowie Neuem samt Kuriosem dar, gekoppelt mit zurückhaltender Eleganz und deutlich femininer Note. Hierzu gehören auch Textilien wie Samt und Seide, Leinen und Baumwolle, Tüll und Rüschen. Und natürlich nicht zu vergessen selbstgefertigte Handarbeiten wie Gestricktes, Gehäkeltes und Geklöppeltes. Dazu dann mundgeblasenes Glas oder Keramik. Papiertapeten mit romantischen Blumendekoren, Kelims oder Orienttepiche, Paisleymuster, Toile-de-Jouy. Ja, sogar Punkte, Streifen und Karos werden neben Motiven aus Fauna und Flora geschmackvoll miteinander gemixt. Dabei ist Originalität stets wichtiger als Perfektion. Einflüsse der unterschiedlichsten Länder können sich durchaus harmonisch mit Elementen des englischen Cottage-Stils und des skandinavischen Landhaustils verbinden. Die Eleganz toskanischer Villen und französischer Chateaus gibt auch noch ihren Flair hinzu. Ein im Shabby Chic-Stil eingerichtetes Haus wirkt stets einladend, praktisch und bequem, wobei es einen Touch ins Romantische und eine deutlich feminine Note nicht leugnen kann.

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