Etuikleid
- Definition
- Ein Etuikleid ist ein sehr eng und figurbetont geschnittenes, einteiliges Kleid ohne horizontale Taillennaht.
- Kategorie
- Mode
- Englisch
- Sheath dress
- Verwandte Begriffe
- Bleistiftrock, Tellerrock
- Abgrenzung
- Das Etuikleid ist kein Bleistiftrock mit Oberteil: Es ist ein einteiliges Kleid, der Bleistiftrock ein Rock, zu dem ein eigenes Oberteil gehört. Die Silhouette ähnelt sich, die Kleidungsstücke nicht. Ebenso wenig ist es ein Shiftkleid, das um Taille und Hüfte weiter geschnitten ist. Das Wiggle Dress dagegen ist nach den geöffneten Quellen kein eigenes Kleidungsstück, sondern der Name, unter dem die Vintage-Szene das Etuikleid der fünfziger Jahre führt.
Ein Etuikleid ist ein einteiliges Kleid, das eng und figurbetont geschnitten ist und ohne horizontale Naht in der Taille auskommt. Der Name kommt vom französischen Etui, dem Futteral: Das Kleid umschließt den Körper wie eine Hülle. In der Vintage-Szene ist es als Wiggle Dress bekannt und bildet die schmale Kleiderlinie der fünfziger Jahre, neben dem weiten Tellerrock.
Schnitt eines Etuikleids
Der Duden nennt das Etuikleid knapp ein „modisches, sehr eng geschnittenes Kleid”. Die deutsche Wikipedia wird genauer: Kennzeichen ist die enge, figurbetonte Passform ohne Taillentrennung, dazu ein kragenloser, meist waagerechter Ausschnitt, ärmellos oder mit sehr kurzen Ärmeln. In der Regel reicht es bis zum Knie. Die englische Wikipedia beschreibt, wie die Taille trotzdem entsteht: Die Abnäher von Oberteil und Rock werden zu einem durchgehenden Abnäher zusammengelegt.
Für die Fünfziger beschreibt der Vintage-Ratgeber Vintage Dancer die Röcke dieser Kleider als über die Hüfte gewölbt und bis zur Wadenmitte schmal zulaufend — so eng, dass hinten ein Schlitz oder eine Gehfalte eingesetzt wurde, damit man überhaupt gehen konnte. Daher der Szenename: Wer im Wiggle Dress geht, geht in kleinen Schritten mit wiegender Hüfte.
Geschichte des Etuikleids
Bei der Frage, wann das Etuikleid seine Zeit hatte, widersprechen sich die Quellen. Die deutsche Wikipedia schreibt in ihrem Artikel zum Etuikleid, es habe in den 1930er und 1960er Jahren als besonders modisch gegolten. Ihr Artikel zum Prinzesskleid, das sie als Vorläufer nennt, spricht dagegen vom Etui- oder Schlauchkleid der 1930er und der 1950er Jahre. Die englische Wikipedia stellt die fünfziger Jahre in den Mittelpunkt: 1950 habe Christian Dior seine „Vertical Line” vorgestellt, und die Vogue habe das Sheath Dress daraus zur wichtigsten Tagesmode erklärt.
Auch bei der Herkunft gehen die Angaben auseinander. Die englische Wikipedia schreibt den modernen Sheath dem Modeschöpfer Paul Poiret zu, der Artikel der deutschen Wikipedia zum Bauhaus-Kleid führt den Etuistil auf ein Kleid zurück, das Coco Chanel 1926 vorgestellt habe. Beide Zuschreibungen stehen jeweils nur an einer Stelle und ließen sich an den weiteren geöffneten Quellen nicht bestätigen. Gesichert ist, was alle Quellen teilen: Die Form ist älter als die fünfziger Jahre, und in den fünfziger Jahren war sie Alltagsmode. Die Vintage-Szene beruft sich heute auf genau diese Fassung.
Abgrenzung des Etuikleids
Die häufigste Verwechslung ist die mit dem Bleistiftrock. Beide teilen die schmale, nach unten nicht weiter werdende Linie, aber das Etuikleid ist einteilig, während der Bleistiftrock ein Rock ist und ein eigenes Oberteil braucht. Wer im Vintage-Handel nach dem einen sucht und das andere findet, hat ein anderes Kleidungsstück in der Hand, nicht eine andere Länge.
Die deutsche Wikipedia nennt eine zweite Verwechslung: Das Shiftkleid ist um Taille und Hüfte weiter geschnitten und liegt deshalb nicht am Körper an, wie es das Etuikleid tut.
Keine Abgrenzung braucht dagegen das Wiggle Dress, auch wenn der Name ein eigenes Kleidungsstück vermuten lässt. Die englische Wikipedia leitet den Begriff auf das Sheath Dress um, und zwei Vintage-Ratgeber, Vintage Dancer und Sammy D. Vintage, nennen Wiggle Dress, Pencil Dress und Sheath Dress ausdrücklich als Namen desselben Kleides.
