Bleistiftrock
- Definition
- Ein Bleistiftrock ist ein eng anliegender Rock mit geradem Schnitt, dessen schmale, längliche Form ihm den Namen gab.
- Kategorie
- Mode
- Englisch
- Pencil skirt
- Verwandte Begriffe
- Petticoat, Korsett, Taillenmieder
- Abgrenzung
- Der Bleistiftrock wird regelmäßig dem New Look zugeschlagen, ist aber dessen Gegenstück: Er teilt mit ihm das anliegende Oberteil und die schmale Taille, setzt darunter aber einen schlanken statt eines weiten Rocks. Beides ist Fünfziger-Silhouette, und beides gleichzeitig geht nicht — ein Petticoat unter einem Bleistiftrock ist ein Widerspruch, kein Styling. Zweite Verwechslung: Etuikleid und Bleistiftrock sind nicht dasselbe Kleidungsstück in zwei Längen. Das Etuikleid ist ein einteiliges, sehr eng geschnittenes Kleid; der Bleistiftrock ist ein Rock und wird mit einem eigenen Oberteil kombiniert.
Ein Bleistiftrock ist ein körpernaher Rock mit geradem Schnitt, der knapp unter dem Knie endet. Der Name kommt von den Proportionen: lang und dünn wie ein Bleistift. In der Vintage-Mode steht er für die zweite, seltener erzählte Hälfte der fünfziger Jahre — die schmale Silhouette neben der weiten, die der Petticoat trägt.
Schnitt eines Bleistiftrocks
Der Bleistiftrock arbeitet mit Abnähern oder Teilungsnähten an der Hüfte, die diese betonen statt sie zu kaschieren. Der Saum ist schmal, und genau daraus folgt das einzige konstruktive Zugeständnis: ein Schlitz, meist hinten, weil die enge Form die Schrittlänge sonst zu stark begrenzt. Wer einen Bleistiftrock ohne Gehschlitz trägt, geht in Trippelschritten — das ist keine Stilfrage, sondern Geometrie.
Klassisch kombiniert wird er mit Stöckelschuhen und Feinstrümpfen, in der Vintage-Szene häufig mit Nahtstrümpfen als Zitat der fünfziger Jahre.
Geschichte des Bleistiftrocks
Die deutsche Wikipedia führt den Bleistiftrock auf Christian Dior zurück, der 1948 seine „Bleistiftlinie” — auch „Enge Linie” — vorgestellt habe: anliegendes Oberteil, mit einem korsettartigen Kleidungsstück verengte Taille, runde Schultern und der schmale Rock mit hüftbetonenden Abnähern. Diese Zuschreibung ließ sich an weiteren geöffneten Quellen nicht bestätigen und steht hier deshalb als Angabe der Wikipedia, nicht als gesicherter Befund.
Gesichert ist dagegen der sprachliche Befund. Das DWDS führt als ältesten Beleg eine Modeberichterstattung von 1950, die von „Bleistiftröcken mit Tütentaschen” spricht — das Wort ist also spätestens 1950 im deutschen Modejournalismus angekommen. Unabhängig von der Frage, wer die Form erfunden hat, war sie damit zu Beginn des Jahrzehnts benannt und verbreitet. Die Wikipedia nennt außerdem Jacques Fath, der bereits kurz nach 1945 schmale Röcke vorschlug, damals noch mit den breiten Schultern der Kriegsmode. Die schlanke Silhouette bestimmte Alltags- und Abendmode bis in die späten fünfziger Jahre.
Verschwunden ist der Bleistiftrock danach nicht. Wie selbstverständlich er als Form geblieben ist, zeigt ein Stück aus dem StadtPalais — Museum für Stuttgart: die Uniform der Stuttgarter Verkehrsüberwachung, zwischen 1975 und 1980 gefertigt und getragen, deren Rock im Bestandskatalog schlicht als „blauer, etwa knielanger Bleistiftrock” geführt wird, mit Reißverschluss, Knopf und Naht auf der Rückseite. Aus der Modelinie war Berufskleidung geworden.
Abgrenzung des Bleistiftrocks
Die häufigste Verwechslung ist die mit dem New Look, und sie ist verständlich, weil beide dieselbe Zeit und dieselbe Oberkörperlinie teilen. Der New Look von 1947 wird beim Victoria and Albert Museum beschrieben als abfallende Schultern, volle Brust und eingeschnürte Taille über weiten, langen Röcken. Genau im letzten Punkt trennen sich die beiden: Der Bleistiftrock übernimmt Oberteil und Taille und ersetzt den weiten Rock durch einen schmalen. Für die Praxis heißt das, dass sich die beiden Looks ausschließen. Ein Petticoat gehört unter den weiten Rock; unter einem Bleistiftrock hat er nichts zu suchen und zerstört die Linie, die den Rock ausmacht.
Was dagegen sehr wohl zum Bleistiftrock gehört, ist das Taillenmieder: Es verschmälert die Taille, ohne unter dem engen Rock aufzutragen, und ist damit das Wäschestück, das die Wikipedia meint, wenn sie zur Bleistiftlinie eine „mit einem korsettartigen Kleidungsstück verengte Taille” beschreibt.
Die zweite Verwechslung betrifft das Etuikleid. Der Duden definiert es als „modisches, sehr eng geschnittenes Kleid” — es ist einteilig. Der Bleistiftrock ist ein Rock und braucht ein eigenes Oberteil; die Silhouette ähnelt sich, die Kleidungsstücke tun es nicht. Wer im Vintage-Handel nach dem einen sucht und das andere findet, kauft ein anderes Teil, nicht eine andere Länge.
