Burlesque
- Definition
- Burlesque ist eine Gattung des Unterhaltungstheaters, die Sketche, Komik und Tanznummern mit angedeutetem Striptease als zentraler Attraktion verbindet.
- Kategorie
- Szene
- Verwandte Begriffe
- Pin-up
- Abgrenzung
- Burlesque ist nicht die Burleske. Die Burleske ist nach Duden und DWDS ein derbkomisches Bühnenstück oder ein heiteres Musikstück, in der Literatur nach der Britannica die komische Nachahmung einer ernsten Form — eine Gattung seit dem 17. Jahrhundert, mit eigenem deutschen Wort. Burlesque meint die Bühnenshow, die sich daraus erst im 19. Jahrhundert entwickelte. Burlesque ist auch nicht dasselbe wie Striptease: Die Entkleidung war in der klassischen Burlesque angedeutet und eine Nummer neben Komik und Gesang, und als der Striptease nach 1930 vollständig wurde, löste sich nach der deutschen Wikipedia genau diese Verbindung auf. Und Burlesque ist kein Varieté: Das Varieté reiht artistische Nummern, die Burlesque stand ihm nahe, hatte aber die Entkleidung als Hauptattraktion.
Burlesque ist eine Gattung des Unterhaltungstheaters, die Sketche, derbe Komik, Gesang und Tanznummern mit angedeutetem Striptease als zentraler Attraktion verbindet. Ihre Blütezeit hatte sie in den USA zwischen dem späten 19. Jahrhundert und dem Zweiten Weltkrieg; seit den 1990er Jahren wird sie als Neo-Burlesque wiederbelebt und heute meist wieder einfach Burlesque genannt. Gemeint ist die Bühnenshow, nicht die gleichnamige literarische Gattung, die im Deutschen Burleske heißt.
Merkmale der Burlesque
Die Britannica beschreibt die Burlesque-Show als Bühnenunterhaltung aus Slapstick-Sketchen, schmutzigen Witzen, Chornummern und Solotänzen, die als „gewagt” oder „sensationell” angekündigt wurden. Im 19. Jahrhundert folgte sie dem Aufbau der Minstrel Show in drei Teilen: Lieder, derbe Sketche und Monologe; das „olio”, eine Folge von Varieténummern mit Akrobaten, Zauberern und Solisten; schließlich Chornummern und gelegentlich eine Parodie auf Politik oder ein laufendes Theaterstück. Den Abschluss bildete eine Tänzerin oder ein Ring- oder Boxkampf.
Die Entkleidung blieb nach der deutschen Wikipedia angedeutet: Die Künstlerinnen zogen sich nicht vollständig aus, sondern legten einzelne Kleidungsstücke ab, und schon das Ausziehen der Handschuhe konnte die Attraktion sein. Dieselbe Quelle beschreibt für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eine Verschiebung weg vom Entblößen hin zur Persönlichkeit der Darstellerin, ihrem Kostüm und ihrer Ausstrahlung.
Geschichte der Burlesque
Wo die Burlesque herkommt, sagen die Quellen verschieden. Die Britannica nennt sie eine in den USA entwickelte Unterhaltungsform, eingeführt 1868 von der englischen Truppe „British Blondes” um Lydia Thompson. Die deutsche Wikipedia lässt die Bedeutungsverschiebung von der Burleske als grob-komischem Theaterstück zur erotischen Show dagegen im 19. Jahrhundert in London geschehen und die US-Burlesque aus Gastspielen britischer und französischer Travestie-Shows hervorgehen; Lydia Thompson wird auch dort ab 1868 in New York zum Star. Der deutsche Artikel „Burleske” wiederum lässt die amerikanische Burlesque erst im 20. Jahrhundert aus den anzüglichen Tänzen im Vaudeville entstehen.
Auch die Hochzeit wird verschieden datiert. Die deutsche Wikipedia setzt die Gattung „hauptsächlich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts” an und nennt an anderer Stelle die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg ihre Glanzzeit. Eng verbunden ist sie mit den New Yorker Brüdern Minsky, die nach der deutschen Wikipedia von 1912 bis 1937 eine Reihe von Theatern betrieben, ab 1931 auch am Broadway. Den Striptease setzt die Britannica in eine Linie, die 1893 mit dem Bauchtanz von „Little Egypt” auf der Weltausstellung in Chicago begann; Stars wurden Ann Corio, Gypsy Rose Lee, Margie Hart und Georgia Southern. Viele Komiker begannen in der Burlesque, die Britannica nennt W. C. Fields, Al Jolson, Fannie Brice, Bert Lahr und Phil Silvers.
Den Niedergang führt die Britannica auf Zensur, Razzien und die Konkurrenz des Kinos zurück: Anfang der 1960er Jahre gab es kaum noch Burlesque-Häuser, in den 1970er Jahren war die amerikanische Burlesque „so gut wie tot”. Die deutsche Wikipedia nennt die Mitte der 1960er Jahre und die sexuelle Revolution. Dazwischen versuchte sich die Burlesque nach derselben Quelle an die Pin-up-Kultur der 1950er Jahre anzupassen, mit Darstellerinnen wie Bettie Page und Lili St. Cyr; nach der englischen Wikipedia drehte der Fotograf Irving Klaw Burlesque-Filme mit Bettie Page.
Burlesque in der Szene
Wiederbelebt wurde die Burlesque in den 1990er Jahren in New York und Los Angeles, unter anderem mit Michelle Carrs Truppe „The Velvet Hammer” und Ami Goodhearts „Dutch Weismann’s Follies”. Wann genau, geben die Quellen verschieden an: Der englische Artikel zur amerikanischen Burlesque nennt die frühen 1990er Jahre, der zur Neo-Burlesque die Mitte des Jahrzehnts, die deutsche Wikipedia schlicht die 1990er Jahre. Die Neo-Burlesque verbindet nach der englischen Wikipedia klassischen Striptease mit Kabarett, Zirkus und Komik und betont den Stil — „sexy statt sexuell”; Kostüme und Requisiten kosten die Darstellerinnen oft mehr, als sie verdienen.
Seit den 2000er Jahren gibt es die Burlesque nach der deutschen Wikipedia auch in Europa, etwa in Berlin, München und Wien, und dort heißt sie meist wieder einfach „Burlesque”. Die bekannteste Darstellerin ist Dita Von Teese, die nach der englischen Wikipedia oft zugleich ein modernes Pin-up genannt wird.
Abgrenzung der Burlesque
Die Burlesque ist nicht die Burleske. Duden und DWDS kennen nur die Burleske, als derbkomisches Improvisationsstück, Schwank oder Posse, und als Musikstück von heiter-ausgelassenem Charakter; die Britannica beschreibt die literarische Burlesque als komische Nachahmung einer ernsten Form. Das Wort kam nach dem DWDS in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ins Deutsche, über das französische „burlesque” vom italienischen „burla”, Posse oder Spaß. Die Bühnenshow ist daraus erst im 19. Jahrhundert hervorgegangen und hat im Deutschen kein eigenes Wörterbuchstichwort.
Burlesque ist auch nicht dasselbe wie Striptease. Der Duden beschreibt den Striptease als Vorführung, bei der sich die Akteure nach und nach entkleiden. In der klassischen Burlesque war das eine Nummer unter mehreren, eingebettet in Moderation, Tanz und Gesang — und als der Striptease nach 1930 zum vollständigen Ausziehen wurde, löste sich nach der deutschen Wikipedia genau diese Verbindung auf.
Und Burlesque ist kein Varieté. Das Varieté ist nach dem Duden ein Theater mit bunt wechselndem Programm aus artistischen, akrobatischen, tänzerischen und musikalischen Darbietungen. Die Burlesque hatte solche Nummern im „olio” auch, stand nach der deutschen Wikipedia dem amerikanischen Vaudeville nahe, machte aber die Entkleidung zur zentralen Attraktion.
