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V101-06 · Szene

Pin-up

Definition
Ein Pin-up ist ein Bild, meist einer Frau in erotischer Pose, das ausgeschnitten oder als Poster an die Wand geheftet wird; das Wort bezeichnet auch das Modell dafür.
Kategorie
Szene
Verwandte Begriffe
Burlesque
Abgrenzung
Pin-up bezeichnet zweierlei, und Duden wie DWDS führen beides: das Bild und das Modell, das dafür posiert. Wer von einem Pin-up spricht, kann also eine Kalenderillustration meinen oder die Frau, die auf einem Foto zu sehen ist. Zweite Verwechslung: Pin-up ist kein Synonym für die gemalten Bilder von Gil Elvgren oder Alberto Vargas. Die Illustration ist nur eine der beiden Bildsorten, das Foto die andere — das berühmteste Pin-up des Zweiten Weltkriegs, Betty Grable im Badeanzug, ist eine Fotografie. Und drittens fällt das Pin-up nicht einfach mit der Glamourfotografie zusammen: Die englische Wikipedia nennt es eine Unterform davon, die deutsche trennt bei den Illustrationen das Pin-up als Ganzfigur mit erzählerischem Element vom Glamour-Girl im Abendkleid.

Ein Pin-up ist ein Bild, das meist eine Frau in erotischer Pose zeigt und dafür gedacht ist, ausgeschnitten oder als Poster an die Wand geheftet zu werden. Das Wort bezeichnet zugleich das Modell, das für solche Bilder posiert, und umfasst gemalte wie fotografierte Bilder. In der Vintage-Szene steht Pin-up heute für den Stil der 1940er und 1950er Jahre, auf den sich Fotografie, Make-up und Wettbewerbe beziehen — nicht für ein bestimmtes Kleidungsstück.

Name des Pin-ups

Das Wort kommt aus dem Englischen, von „to pin up”, anheften oder aufhängen; das DWDS führt es als „Pin-up-Girl” und als Kurzform „Pin-up”, der Duden nennt „Pin-up” ausdrücklich die Kurzform von „Pin-up-Girl”. Das männliche Gegenstück heißt im DWDS „Pin-up-Boy”, im Englischen nach der englischen Wikipedia auch „beefcake”, während Pin-up-Bilder von Frauen in den USA ab den 1940er Jahren auch „cheesecake” hießen.

Die englische Wikipedia datiert den ersten Beleg des englischen Wortes auf 1941. Im Deutschen ist der älteste der Belege, die das DWDS anführt, ein Satz aus dem Spiegel vom Juli 1948, in dem eine Frau „Covergirl, Fotomodell und Pin-up-Girl” genannt wird.

Merkmale eines Pin-ups

Kennzeichnend ist nach der deutschen Wikipedia schon der Name: Das Bild wird angeheftet, typischerweise als Kalenderbild oder als ausfaltbares Poster aus der Heftmitte einer Zeitschrift. Gezeigt werden meist junge Frauen, leicht bekleidet, in Szenen aus dem Alltag, oft mit einem kleinen Missgeschick wie einem vom Wind gehobenen Rock — erotisch, aber eher andeutend als enthüllend; Nacktheit ist die Ausnahme. Dieselbe Quelle erklärt die relative Harmlosigkeit mit den Zensurregeln der Zeit und dem Interesse der Kalenderverlage, ihre Bilder möglichst breit zu verkaufen. Die gemalten Pin-ups waren Auftragsarbeiten, oft in Öl, Pastell oder Gouache, in festen Formaten für den Nachdruck.

Wie ein solches Bild aussieht, zeigt eine Serie von Aquarellen im Victoria and Albert Museum: Der Londoner Werbegrafiker Wilfrid R. Addey malte in den späten 1940er Jahren Kalender-Pin-ups, darunter eine Frau in grünem Unterkleid und schwarzen Strümpfen auf der Bettkante, die sich zum Betrachter umdreht. Der Katalog nennt die Figur mit hohen, schmalen Augenbrauen, langen Wimpern, betonten Lippen und langem, schlankem Körper „typisch für die 1940er Jahre”.

Geschichte des Pin-ups

Wo das Pin-up beginnt, sagen die Quellen verschieden. Die deutsche Wikipedia bildet eine Zeichnung von Charles Dana Gibson aus dem Jahr 1887 als „erstes Pin-up” ab und nennt die Grafiken von Raphael Kirchner aus den 1910er Jahren, als Ansichtskarten verkauft, eine frühe Form. Die englische Wikipedia führt die Ursprünge dagegen auf Fotokarten zurück, mit denen Schauspielerinnen und Burlesque-Darstellerinnen im 19. Jahrhundert für ihre Auftritte warben, und nennt „Miss Fernande” in Europa vor dem Ersten Weltkrieg die ersten Pin-ups im modernen Sinn — für diese Angabe nennt sie allerdings keinen Beleg. Einig sind sich beide, dass gezeichnete Frauenbilder wie das Gibson Girl am Anfang einer der beiden Linien stehen.

Seine größte Verbreitung erreichte das Pin-up im Zweiten Weltkrieg. Nach der englischen Wikipedia ging das Männermagazin Esquire mit seinen „Vargas Girls” von 1942 bis 1946 in neun Millionen Exemplaren kostenlos an amerikanische Soldaten; daneben werden George Petty, Gil Elvgren, Rolf Armstrong und Zoë Mozert als Pin-up-Maler genannt. Die Bilder wanderten als Nose Art auf Bomber und Jagdflugzeuge — die deutsche Wikipedia nennt als bekanntestes Beispiel die Memphis Belle, deren Vorlage von George Petty stammt und im April 1941 im Esquire erschien. Das bekannteste Foto ist das von Betty Grable im Badeanzug, von hinten aufgenommen, über die Schulter blickend; die Britannica nennt sie die Lieblings-Pin-up der amerikanischen Soldaten, die deutsche Wikipedia datiert das Foto von Frank Powolny auf 1943.

In den 1950er Jahren wurde nach der deutschen Wikipedia Bettie Page zum möglicherweise bekanntesten Pin-up-Modell. Dass das Pin-up als Kunstform gilt und nicht als bloße Illustration, ist nach derselben Quelle erst eine Zuschreibung der 1980er Jahre.

Pin-up in der Szene

Die englische Wikipedia beschreibt das Pin-up-Modeln heute als eigene Subkultur mit Zeitschriften, Foren und Wettbewerben, darunter einem Pin-up-Wettbewerb auf dem Rockabilly-Festival Viva Las Vegas. Zum Stil gehört nach derselben Quelle ein Make-up mit rotem, mattem Lippenstift und geschwungenem Lidstrich, das um 2010 wiederkam, und Frisuren aus Pin Curls und Victory Rolls. Wie selbstverständlich das Wort dabei als Stilbezeichnung dient, zeigt ein Beleg im DWDS: Eine Veranstaltung versprach 2017 allen einen kostenlosen Imbiss, die sich „als Pin-up der 50er und 60er Jahre” verkleiden. Die Nähe zur Burlesque ist eng; die Burlesque-Darstellerin Dita Von Teese wird nach der englischen Wikipedia oft ein modernes Pin-up genannt.

Abgrenzung des Pin-ups

Pin-up meint zweierlei, das Bild und das Modell. Duden und DWDS führen beide Bedeutungen nebeneinander, und der Duden fasst das Bild weiter als das DWDS: Er spricht von einer erotisch anziehenden Frau oder einem Mann, das DWDS beim „Pin-up-Girl” nur von einer Frau. Wer von einem Pin-up spricht, kann also eine Illustration meinen oder die Frau, die auf einem Foto zu sehen ist.

Ebenso ist Pin-up kein anderes Wort für die gemalten Bilder von Gil Elvgren oder Alberto Vargas. Die deutsche Wikipedia verwendet zwar „Pin-up-Art” vor allem für die Illustration, die englische Wikipedia rechnet aber Zeichnungen, Gemälde und Fotografien ausdrücklich dazu, und die Britannica nennt das Badeanzugfoto von Betty Grable schlicht „the famous pinup photo” — das berühmteste Pin-up des Zweiten Weltkriegs ist ein Foto.

Und schließlich fällt das Pin-up nicht einfach mit der Glamourfotografie zusammen, auch wenn die Grenze unscharf ist. Die englische Wikipedia nennt das Pin-up eine beliebte Unterform der Glamourfotografie. Die deutsche teilt die gemalten Frauenbilder dagegen in drei Kategorien: das Pin-up als Ganzfigur mit erzählerischem Element in Badeanzug, Sportkleidung oder Dessous, das Glamour-Girl als Ganz- oder Brustbild im weniger freizügigen Abendkleid und das Pretty-Girl der Illustratoren seriöser Zeitschriften. Die Übergänge nennt sie selbst fließend.

Häufige Fragen

Was sind Pin-up-Models?

Menschen, meist Frauen, die für Pin-ups posieren, also für Bilder, die massenhaft verbreitet und an die Wand geheftet werden. Das DWDS führt diese Bedeutung beim „Pin-up-Girl" eigens auf, die englische Wikipedia nennt als typische Pin-up-Models Glamourmodelle, Schauspielerinnen und Fotomodelle. Bekannte Namen sind nach der deutschen Wikipedia Betty Grable im Zweiten Weltkrieg und Bettie Page in den 1950er Jahren.

Was sind Pin-up-Fotos?

Fotografien, die dieselbe Aufgabe haben wie die gemalten Pin-ups, nämlich als Bild an der Wand zu hängen, meist mit einer Frau in andeutend erotischer Pose. Im Zweiten Weltkrieg waren sie bei amerikanischen Soldaten begehrt; das Armeemagazin „Yank" war nach der deutschen Wikipedia vor allem wegen seiner Pin-up-Fotos beliebt, und das Badeanzugfoto von Betty Grable aus dem Jahr 1943 war das beliebteste unter den Soldaten.

Was ist ein Pin-up-Magazin?

Ein fester Fachbegriff ist das in keiner der geöffneten Quellen. Gemeint sind zum einen Zeitschriften, die Pin-ups druckten, oft als ausfaltbares Poster in der Heftmitte, im Zweiten Weltkrieg etwa Esquire mit den gezeichneten „Vargas Girls" und Yank mit Fotos. Zum anderen nennt die englische Wikipedia heutige Magazine der Pin-up-Szene, darunter „Delicious Dolls" (seit 2011) und „Retro Lovely".

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