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V101-03 · Tanz

Charleston

Definition
Charleston ist ein schneller amerikanischer Tanz der 1920er Jahre mit afroamerikanischen Wurzeln, der allein, zu zweit oder in der Gruppe getanzt wird und nach der Stadt Charleston in South Carolina heißt.
Kategorie
Tänze
Verwandte Begriffe
Lindy Hop, Swing
Herkunftsland
USA
Abgrenzung
Zwei Verwechslungen. Erstens mit dem Lindy Hop: Der Lindy Hop hat Charleston-Schritte aufgenommen, und eine abgewandelte Form des Charleston wird seit den 1930er Jahren zur Swingmusik und innerhalb des Lindy Hop getanzt. Die beiden Tänze sind trotzdem nicht dasselbe; die englische Wikipedia berichtet, dass Frankie Manning und andere Tänzer des Savoy Ballroom selbst sagten, sie tanzten Charleston-Schritte im Lindy und nicht den Charleston. Zweitens mit der Mode der 1920er Jahre: Charleston ist ein Tanz, kein Kleidungsstil. Wo von Charleston-Kleid oder Charleston-Look die Rede ist, ist Kleidung gemeint, die man mit der Zeit des Tanzes verbindet, nicht der Tanz selbst. Nicht gemeint ist außerdem die Stadt Charleston, nach der der Tanz benannt ist.

Charleston ist ein schneller amerikanischer Tanz mit afroamerikanischen Wurzeln, der in den 1920er Jahren zum Modetanz wurde und seinen Namen von der Hafenstadt Charleston in South Carolina hat. Das DWDS führt ihn als in den Zwanzigerjahren aufgekommenen Gesellschaftstanz im Viervierteltakt, der Duden als Modetanz dieser Zeit. In der heutigen Swing-Szene lebt er in zwei Formen weiter: als 20s Charleston und als Swinging Charleston, der zum Lindy Hop gehört. Gemeint ist in diesem Eintrag der Tanz, weder die Stadt noch die Kleidung der Zwanzigerjahre.

Herkunft des Charleston

Populär wurde der Tanz durch das Lied „The Charleston” des Pianisten James P. Johnson aus der Broadway-Show „Runnin’ Wild” von 1923; nach der englischen Wikipedia lief die Show bis Juni 1924, ihren Höhepunkt erreichte der Tanz 1926 und 1927. Wo die Bühnengeschichte beginnt, erzählen die Quellen verschieden. Die deutsche Wikipedia lässt das Lied in dieser Show zum ersten Mal erklingen. Die englische nennt als erste Bühne für den Tanz die Show „Liza” von Irving C. Miller im Frühjahr 1923, und Johnson selbst gab an, den Tanz schon 1913 in New York gesehen zu haben.

Auch die Wurzel ist umstritten. Die deutsche Wikipedia führt den Charleston im Wesentlichen auf den Juba zurück, einen Tanz versklavter Afroamerikaner auf den Plantagen. Die englische hält das nur für wahrscheinlich: Sie zitiert Harold Courlander, der den Charleston eine für ein breites Publikum neu zusammengesetzte Schöpfung nannte, und hält fest, dass ein Beleg für den Tanz selbst auf den Plantagen fehlt. Nach Europa brachte ihn laut deutscher Wikipedia 1925 Josephine Baker.

Merkmale des Charleston

Typisch sind nach der deutschen Wikipedia isolierte Bewegungen: Arme und Beine arbeiten unabhängig, die Arme rudern, die Knie gehen im Wechsel nach innen und außen. Getanzt wird schnell, mit 50 bis 75 Takten pro Minute, und mehr auf Ausgelassenheit als auf korrekte Schritte hin. Die deutsche Wikipedia beschreibt ihn als Tanz, den man auseinander und sogar ohne Partner tanzte, und verbindet ihn mit den Flappern der Prohibitionszeit. Ein reiner Solotanz war er trotzdem nicht: Ihre eigene Übersicht nennt ihn Einzel- und Paartanz, und die englische Wikipedia beschreibt einen Partner-Charleston der 1920er in geschlossener Tanzhaltung.

Nach 1930 ging der Tanz zurück. Die deutsche Wikipedia nennt die Weltwirtschaftskrise, die englische vermutet als einen Grund die bodenlangen, engen Abendkleider der frühen 1930er Jahre, die die Beine einengten.

Charleston in der heutigen Swing-Szene

In den 1930er und 1940er Jahren entstand eine abgewandelte Form, die zur Swingmusik getanzt wurde und unter Namen wie Lindy Charleston, Savoy Charleston oder Swinging Charleston läuft. Um sie zu unterscheiden, heißt die ältere Form 20s Charleston. Die englische Wikipedia beschreibt den Grundschritt der späteren Form als Folge von acht Zählzeiten, allein oder zu zweit.

Heute gehören nach der englischen Wikipedia beide Formen zur Lindy-Hop-Szene. Der Solo-Charleston der Zwanziger wird zu Hot Jazz bei sehr hohem Tempo getanzt, oft in der Gruppe oder im Wettbewerb im Kreis. Der Partner-Charleston kennt Haltungen wie Jockey, Side-by-Side und Tandem, bei denen das Paar nebeneinander oder hintereinander steht.

Abgrenzung des Charleston

Der Charleston ist nicht der Lindy Hop, auch wenn dieser Charleston-Schritte aufnahm. Die englische Wikipedia hält fest, dass Frankie Manning und andere Tänzer des Savoy Ballroom sich selbst nicht als Charleston-Tänzer sahen, sondern als Lindy Hopper, die Charleston-Schritte einbauen.

Ebenso wenig ist der Charleston ein Modestil. Wer vom Charleston-Kleid oder vom Charleston-Look spricht, meint Kleidung, die man mit der Zeit des Tanzes verbindet, nicht den Tanz. Belegt ist nur die Verbindung über die Flapper und über die Kleiderlänge; eine Kleidung namens Charleston beschreibt keine der hier ausgewerteten Quellen.

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