Swing
- Definition
- Swing ist eine Stilrichtung des Jazz der 1930er und 1940er Jahre, getragen von der Big Band und benannt nach dem federnden Rhythmusgefühl, das ebenfalls Swing heißt.
- Kategorie
- Genres
- Verwandte Begriffe
- Rock'n'Roll, Lindy Hop, Jump Blues, Western Swing
- Ab
- 1930
- Bis
- 1949
- Herkunftsland
- USA
- Abgrenzung
- Swing bezeichnet zweierlei: einen Stil des Jazz und das rhythmische Element, das jeder Jazz braucht. Das Oesterreichische Musiklexikon nennt beides ausdrücklich getrennte Begriffe. Dieser Eintrag meint den Stil. Zweite Verwechslung: In Veranstaltungsankündigungen steht „Swing" oft für den Tanz, nicht für die Musik; die Paartänze zur Swingmusik haben eigene Namen, etwa Lindy Hop. Und Western Swing ist kein anderer Name für den Big-Band-Swing, sondern ein eigener Stil, der Jazz und Big-Band-Swing mit der Musik des amerikanischen Südwestens verband.
Swing ist eine Stilrichtung des Jazz, die gegen Ende der 1920er Jahre in den USA entstand und in den 1930er und 1940er Jahren die populäre Musik beherrschte. Getragen wurde sie von der Big Band, und ihre große Beliebtheit verdankte sie vor allem ihrer Tanzbarkeit. Mit Swing ist hier der Stil gemeint, nicht das gleichnamige Rhythmusgefühl und nicht der Tanz.
Merkmale von Swing
Das Instrument des Swing ist die Big Band. In ihrer späteren Standardbesetzung zählt sie nach beiden Quellen siebzehn Musiker; die deutsche Wikipedia rechnet den Bandleader noch hinzu und teilt die Band in drei Gruppen: die Saxofone, die Blechbläser mit Trompeten und Posaunen, und die Rhythmusgruppe aus Klavier, Bass, Schlagzeug und oft Gitarre. In der Rhythmusgruppe übernahm der Kontrabass den Platz, den in der älteren Jazzband Tuba oder Sousaphon hatten. Weil so viele Musiker ohne Absprache nicht mehr zusammenfanden, wurde das ausgeschriebene Arrangement zur Regel; improvisiert wurde in den Soli.
Rhythmisch hebt das Musiklexikon die gleichmäßige Betonung aller vier Viertel hervor, die sich um 1930 durchsetzte, gegenüber der Betonung von erster und dritter Zählzeit in den älteren Stilen. Dazu kommt das Rhythmusgefühl, dem der Stil seinen Namen verdankt: Zwei notierte Achtel werden nicht gleich lang gespielt, die erste etwas länger als die zweite. Die deutsche Wikipedia beschreibt das als „Triolen-Feeling”; das Musiklexikon warnt, dieses Modell tauge vor allem für den Unterricht und nähere sich bei schnellem Tempo wieder geraden Achteln.
Entstehung von Swing
Als Gründer der ersten Big Band gilt nach der deutschen Wikipedia der New Yorker Pianist und Arrangeur Fletcher Henderson, der als Erster die Bläser mehrfach besetzte. Ab Mitte der 1930er Jahre wurde Swing zum Massenphänomen, vor allem durch die Band des Klarinettisten Benny Goodman und durch das Radio: Zwischen Dezember 1934 und Mai 1935 lief eine landesweite Sendung mit drei Bands, darunter Goodmans. Das Musiklexikon nennt als wichtige Orchester außerdem die von Duke Ellington, Count Basie, Jimmie Lunceford und Chick Webb, bei dem Ella Fitzgerald ihre Laufbahn begann.
Das Ende kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Musiklexikon nennt zwei Gründe: Große Besetzungen wurden unter den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen unrentabel, und die Masse des Publikums fand im Rock’n’Roll eine neue Orientierung. Die deutsche Wikipedia sieht die jugendlichen Hörer gegen Ende der 1940er Jahre zu Rhythm and Blues und Rock’n’Roll abwandern, während der Swing beim älteren Publikum beliebt blieb. Im Jazz selbst hatte der Bebop nach beiden Quellen schon Anfang der 1940er Jahre eine andere Richtung eingeschlagen.
Der Name Swing
Woher der Stilname kommt, erzählen die Quellen verschieden. Die deutsche Wikipedia leitet ihn aus der Spielweise ab, die der Stilrichtung Mitte der 1930er Jahre ihren Namen gegeben habe. Das Musiklexikon verweist auf Duke Ellingtons Titel „It Don’t Mean A Thing If It Ain’t Got That Swing”, der den Begriff „wenn nicht erfunden, so doch wesentlich verbreitet” habe, und datiert ihn auf 1930. Die englische Wikipedia datiert denselben Titel später: komponiert im August 1931, zuerst aufgenommen am 2. Februar 1932, und nennt ihn eine der frühesten Verwendungen des Wortes in der populären Musik. Übereinstimmend ist nur, dass Ellingtons Titel das Wort früh verwendete; das Jahr 1930 steht allein im Musiklexikon, und keine der beiden Herleitungen ist hier als die richtige gesetzt.
Abgrenzung von Swing
Das Musiklexikon trennt zwei Begriffe, die dasselbe Wort tragen: das rhythmische Grundelement, ohne das kein Jazz auskommt, und den Stil der 1930er und 1940er Jahre. Der Stil ist ohne das Element nicht denkbar, das Element aber nicht auf den Stil beschränkt. Vorgeschlagen wurde deshalb, das Element auch im Deutschen kleinzuschreiben.
Häufiger ist in der Szene eine andere Verwechslung. In den Veranstaltungsankündigungen, die dieses Register sammelt, meint „Swing” oft das Tanzen, nicht die Musik. Aus dem Swing entwickelte sich nach der deutschen Wikipedia eine Reihe von Tanzmoden; einer der Paartänze dazu hat hier einen eigenen Eintrag, Lindy Hop. Und Western Swing ist kein anderer Name für den Big-Band-Swing, sondern ein eigener Stil: Die deutsche Wikipedia beschreibt ihn als Verbindung von Jazz und Big-Band-Swing mit der Kultur des amerikanischen Südwestens.
Swing im deutschsprachigen Raum
In Deutschland lief Swing während der NS-Zeit gegen erheblichen Widerstand der Partei, wie die deutsche Wikipedia beschreibt: Die Anhänger der Swing-Jugend mussten mit Strafen rechnen, doch Verbote hielten nicht lange. Das Berliner Lokal Delphi blieb bis zur Schließung aller nicht kriegswichtigen Betriebe 1943 eine Hochburg des Swing. Für Österreich hält das Musiklexikon fest, dass viele Tanzorchester schon in den 1930er Jahren vom Swing beeinflusst spielten, eine breite Rezeption aber erst nach dem Krieg einsetzte, über die Radiosender der Besatzungsmächte und über Orchester wie das Wiener Tanzorchester und Combos wie den Hot Club Vienna.
Nach dem Krieg trugen in Deutschland Orchester wie das von Kurt Edelhagen den Big-Band-Klang bis in die Fernsehshows der 1970er Jahre, und Musiker wie Paul Kuhn, Max Greger und Hugo Strasser spielten ihn nach der deutschen Wikipedia bis ins 21. Jahrhundert.
Swing in diesem Register
Für die Szene, die dieses Register beschreibt, ist Swing die Musik davor: Der Rock’n’Roll löste ihn beim jungen Publikum ab, und der Jump Blues knüpfte nach dem Eintrag dort an das Saxofonspiel der Swing-Ära an. Auf den Boogie-Tanzabenden, die das Register verzeichnet, läuft Swing laut deren Ankündigungen neben Rock’n’Roll, Rockabilly und Jump Blues.
