Schellackplatte
- Definition
- Eine Schellackplatte ist eine Schallplatte aus einer Pressmasse, deren Bindemittel Schellack ist, mit breiter Rille und meist 78 Umdrehungen pro Minute.
- Kategorie
- Medien
- Englisch
- Shellac record
- Abgrenzung
- Schellackplatte und Vinylplatte werden oft gleichgesetzt, weil beide Schallplatten sind und viele Plattenspieler bis in die 1980er Jahre beide abspielen konnten. Duden und Wikipedia unterscheiden sie nach dem Material: Schellack mit Füllstoffen hier, PVC dort. Daraus folgt der Rest. Die Schellackplatte hat eine breite Normalrille, läuft meist mit 78 Umdrehungen und bietet auf zehn Zoll gut drei Minuten je Seite; die Vinylplatte hat die feine Mikrorille, läuft mit 45 oder 33 1/3 Umdrehungen und kommt auf viel längere Spielzeiten. Die Nadeln sind nicht austauschbar. Und nicht jede 78er ist aus Schellack: Es gab Vinylpressungen mit 78 Umdrehungen schon in den 1940er Jahren.
Eine Schellackplatte ist eine Schallplatte aus einer Pressmasse, in der Schellack die Füllstoffe bindet; sie hat eine breite Rille und läuft meist mit 78 Umdrehungen pro Minute. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre war sie der übliche Tonträger, auch in der Jukebox, und sie ist der Vorläufer der Vinylschallplatte. Beide sind nach ihrem Material benannt, und genau darin unterscheiden sie sich.
Material der Schellackplatte
Schellack ist ein Harz, das nach der englischen Wikipedia weibliche Lackschildläuse auf Bäumen in Indien und Thailand absondern; das DWDS leitet das Wort über das Niederländische von „Schale” und „Lack” ab, nach den dünnen Schuppen, in denen es gehandelt wurde. In der Platte ist Schellack nur das Bindemittel. Nach der deutschen Wikipedia hielt er Füllstoffe wie Bariumsulfat, Schiefermehl, Ruß, Asbest und Baumwollflocken zu einer verschleißfesten Masse zusammen. Das verbesserte Klang und Haltbarkeit gegenüber dem vorher verwendeten Hartgummi, machte die Platten aber spröde: Eine Schellackplatte bricht leicht.
Merkmale der Schellackplatte
Üblich waren nach der deutschen Wikipedia Durchmesser von zehn Zoll, etwa 25 Zentimetern, und zwölf Zoll, etwa 30 Zentimetern. Eine Seite der kleineren Platte bot gut drei Minuten Musik, die größere gut vier, weshalb sie vor allem für klassische Musik genutzt wurde. Nach Versuchen mit verschiedenen Drehzahlen setzten sich 78 Umdrehungen pro Minute durch, daher der Name 78er. Die Rille ist breiter als bei der Vinylplatte und braucht eine dickere Nadel; auf einem Grammophon mit Stahlnadel wird nach jeder Seite eine neue Nadel eingesetzt. Nach dem Aufkommen des Vinyls bekamen Schellackplatten ein N für Normalrille im Viereck, Vinylplatten ein M für Mikrorille im Dreieck.
Geschichte der Schellackplatte
Den Anfang setzt die deutsche Wikipedia auf Oktober 1896: Emil Berliner habe damals den Hartgummi aufgegeben und eine Pressmasse der Duranoid Co. aus Newark verwendet, die im Wesentlichen aus Schellack bestand. Diese Datierung ließ sich an der englischen Wikipedia nicht bestätigen, die Berliners erste Platten in die 1880er Jahre setzt und 1894 siebenzöllige Platten nennt, ohne zu sagen, woraus sie waren. Gesichert ist nach der englischen Wikipedia, dass die zehnzöllige Schellackplatte mit 78 Umdrehungen um 1910 das gängigste Format war.
Abgelöst wurde sie in den Jahren um 1950, aber wann genau, sagen die Quellen verschieden. Die englische Wikipedia lässt die 78er-Ära an einer Stelle 1948 enden, an einer anderen nennt sie die Massenproduktion in den USA bis zum Sommer 1958 und auf den Philippinen und in Indien bis in die späten 1960er. Die deutsche Wikipedia nennt für die Bundesrepublik ebenfalls 1958, für andere europäische Länder die frühen 1960er Jahre und als letzte Pressungen Platten aus Südafrika von 1972, das allerdings mit „sollen” und ohne Beleg. Fest steht der Übergang über ein Jahrzehnt, nicht ein Schlussjahr.
Schellackplatten heute
Plattenspieler hatten nach der deutschen Wikipedia noch bis in die frühen 1980er Jahre fast immer eine Einstellung für 78 Umdrehungen und ließen sich mit einer Nadel für Schellack ausrüsten. Das DWDS markiert das Wort Schellackplatte heute als fachsprachlich und historisch. Gesammelt wird sie trotzdem: Die Deutsche National-Discographie verzeichnet die in Deutschland von 1890 bis 1960 erschienenen Platten, und im Internet Archive sind nach der deutschen Wikipedia unter dem Namen „The Great 78 Project” über 400.000 Schellackplatten digitalisiert. Wer eine alte Jukebox betreibt, sollte nach der englischen Wikipedia wissen, dass Geräte aus der Zeit vor dem Krieg mit schweren Tonarmen für die harten Schellackplatten gebaut sind und weichere Nachpressungen aus Vinyl zerstören.
Abgrenzung der Schellackplatte von der Vinylplatte
Der Duden beschreibt die Schellackplatte als Schallplatte aus Schellack und die Vinylplatte als Schallplatte aus Vinyl; beides sind Schallplatten, getrennt durch das Material. Mit dem Material ändert sich alles Weitere. Vinyl, also PVC, erlaubt eine feinere Rille und eine niedrigere Drehzahl und damit längere Spielzeiten: nach der englischen Wikipedia bis etwa 30 Minuten je Seite auf der Langspielplatte mit 33 1/3 Umdrehungen, daneben die siebenzöllige Single mit 45 Umdrehungen. Eine Nadel für Vinyl klingt auf Schellack schlecht und kann beschädigt werden, eine Nadel für Schellack springt aus der Vinylrille oder zerstört sie.
Beim Jahr des Wechsels ist Vorsicht geboten. Die englische Wikipedia nennt im Einleitungsabsatz 1948 als Einführung der Vinylplatte, beschreibt aber selbst Vinylplatten mit 78 Umdrehungen, die die US-Armee im Zweiten Weltkrieg für die Truppen presste; die deutsche nennt Kinderplatten aus PVC ab etwa 1944, weil sie kaum zerbrechen. 1948 ist das Jahr der Mikrorille für den Hausgebrauch, nicht des Materials. Eine 78er ist deshalb nicht automatisch eine Schellackplatte.
