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V101-02 · Mode

Hahnentritt

Definition
Hahnentritt ist ein zweifarbiges Muster aus kleinen Karos mit geradlinigen Verlängerungen an den Ecken, die an den Fußabdruck eines Hahns erinnern.
Kategorie
Mode
Englisch
Houndstooth
Verwandte Begriffe
Gingham, Polka Dots, Nadelstreifen
Abgrenzung
Hahnentritt steht Pepita und Glencheck nahe. Pepita ist nach dem DWDS ein Muster aus kleinen, hell und dunkel wechselnden Karos, die nur „manchmal hahnentrittähnlich" sind; wo genau die Grenze liegt, ziehen die Quellen verschieden (siehe „Abgrenzung von Hahnentritt"). Glencheck ist nach Duden und DWDS ein großflächiges Karomuster, Hahnentritt eines aus kleinen Karos — ein Glencheck kann aber Hahnentritt-Partien enthalten. Vom Gingham unterscheidet ihn nach der englischen Wikipedia das Karo selbst: Wo Gingham Felder im Mischton hat, hat Hahnentritt diagonal gestreifte. Und das Wort Hahnentritt meint im Deutschen auch anderes, etwa die Keimscheibe im Hühnerei oder eine Gangstörung beim Pferd.

Hahnentritt ist ein zweifarbiges Stoffmuster aus kleinen Karos, deren Ecken in geraden Zacken auslaufen, sodass das Bild an die Fußspur eines Hahns erinnert. Das Muster wird meist in Schwarz und Weiß gewebt und gehört mit Gingham, Nadelstreifen und Polka Dots zu den bekannten Mustern der Mode; im Englischen heißt es Houndstooth. Vom ähnlichen Pepita ist es nicht in allen Quellen gleich getrennt, und vom Glencheck unterscheidet es die Größe.

Merkmale von Hahnentritt

Duden und DWDS beschreiben Hahnentritt als zweifarbiges Muster aus kleinen Karos mit geradlinigen Verlängerungen an den Ecken. Nach der deutschen Wikipedia ist es eine Handelsbezeichnung für ein Gewebe mit hellen und dunklen, kleinkarierten Farbeffekten, meist schwarz-weiß. Das Muster entsteht beim Weben: Fäden in wechselnd hellen und dunklen Streifen laufen in Kette und Schuss und werden meist in einem gleichseitigen Köper verbunden. Wie viele Fäden einen Streifen bilden, sagt die deutsche Wikipedia für Hahnentritt nicht; die englische nennt für das traditionelle Muster je vier dunkle und vier helle Fäden in einem Köper 2/2, die französische nennt dieselbe Folge unter mehreren möglichen. Bei der Bindung gehen die Angaben auseinander: Die englische Wikipedia nennt nur den Köper, die deutsche lässt auch Leinwand- und Panamabindung zu.

Die Größe ist nicht festgelegt. Das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache kennt kleinen wie „auffällig groß gemusterten” Hahnentritt. Und nicht jeder Hahnentritt ist gewebt: Das Victoria and Albert Museum bewahrt ein Seidentuch von Jaeger aus den 1950er Jahren, auf das das Muster gedruckt ist.

Name von Hahnentritt

Das deutsche Wort setzt sich aus Hahn und Tritt zusammen und benennt das Muster nach seiner Ähnlichkeit mit der Fußspur des Hahns; das Französische denkt an denselben Vogelfuß („pied-de-poule”), das Englische an Hundezähne („houndstooth”). Seit wann „Hahnentritt” im Deutschen das Stoffmuster meint, sagt keine der geöffneten Quellen: Das DWDS hat zum Wort keine Etymologie, und das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm verzeichnet 1877 unter „Hahnentritt” nur andere Bedeutungen, darunter den steifen Gang des Hahns und einen kleinen Körper auf der Dotterhaut des Eis.

Für das englische Wort gibt es vier Angaben. Merriam-Webster nennt als ersten bekannten Gebrauch 1893, Etymonline 1930, das englische Wiktionary und die englische Wikipedia 1936 — und dieselbe englische Wikipedia führt einen New Yorker Herrenausstatter an, der schon 1933 „houndstooth checks” im Programm hatte.

Geschichte von Hahnentritt

Das Muster ist deutlich älter als alle seine Namen. Die englische Wikipedia nennt als älteste Funde Gewebe aus dem Salzbergwerk von Hallstatt aus der Bronzezeit, 1500 bis 1200 vor Christus — belegt nur mit einer titellosen PDF-Kopie —, und als einen der bekanntesten frühen den Gerum-Mantel aus einem schwedischen Moor, datiert auf 360 bis 100 vor Christus. Die heutige Form des Musters stammt nach der englischen Wikipedia womöglich aus dem Tweed des schottischen Tieflands; ein Jahr nennt sie nicht, und die Formulierung ist ausdrücklich vorsichtig. Aus den 1950er Jahren sind im Victoria and Albert Museum Stücke der Alltagsmode erhalten: das gedruckte Seidentuch von Jaeger, eine Herrenmütze von Herbert Johnson aus den Jahren 1952 bis 1959 und eine Aufnahme des Fotografen Bert Hardy von etwa 1958, die in einem Tanzlokal in Chelsea eine junge Frau im Hahnentrittrock zeigt.

Mit Christian Diors New Look verbinden die Quellen das Muster nur mittelbar. Die englische Wikipedia zitiert eine Vogue-Kritik von 2009, die eine Kollektion von Alexander McQueen als Parodie auf Diors Hahnentritt-Kostüme im Stil des New Look las; das Journal des Modeateliers Galatea Ziss schreibt, Dior habe Hahnentritt schon in seiner ersten New-Look-Kollektion 1947 verwendet. Eine weitere geöffnete Quelle bestätigt diese Angabe nicht.

Abgrenzung von Hahnentritt

Am schwersten ist Hahnentritt von Pepita zu trennen. Das DWDS nennt Pepita ein Muster aus kleinen, hell und dunkel wechselnden Karos, die „manchmal hahnentrittähnlich” sind; der Duden führt den Namen auf eine spanische Tänzerin der Biedermeierzeit zurück. Die deutsche Wikipedia beschreibt Pepita als Köper 2/2 mit einer Fadenfolge von vier hellen und vier dunklen Fäden — genau die Konstruktion, die die englische Wikipedia als traditionellen Houndstooth beschreibt. Passend dazu übersetzt das englische Wiktionary „houndstooth” ins Polnische mit „pepitka”. Die Quellen ziehen die Grenze also verschieden; einig sind sie sich darin, dass beide Muster kleinkariert und zweifarbig sind und Hahnentritt die ausgezogenen Ecken hat.

Der Glencheck ist nach Duden und DWDS ein großflächiges Karomuster aus hellen und dunklen Fäden, benannt nach einem schottischen Tal. Die englische Wikipedia beschreibt ihn als Wechsel schmaler und breiter Streifengruppen, der unregelmäßige Karos ergibt, und zeigt einen Glencheck in Hahnentrittbindung: Hahnentritt kann also Teil eines Glenchecks sein. Mit Gingham vergleicht die englische Wikipedia das Muster ausdrücklich — gleicher Aufbau, aber diagonal gestreifte Felder anstelle der Mischtonfelder des Gingham.

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