Nadelstreifen
- Definition
- Nadelstreifen sind sehr schmale Längsstreifen in Anzug- oder Kostümstoffen, die in mäßig breitem Abstand parallel laufen und sich scharf von der Grundfarbe abheben.
- Kategorie
- Mode
- Englisch
- Pinstripe
- Verwandte Begriffe
- Hahnentritt, Gingham, Polka Dots
- Abgrenzung
- Nadelstreifen sind kein Kreidestreifen. Nach englischsprachigen Quellen ist der Kreidestreifen („chalk stripe") breiter und wirkt weicher, weil er aus mehreren Fäden besteht; zwischen beiden liegt der Bleistiftstreifen. Eine deutschsprachige Quelle, die die beiden trennt, gibt es unter den geöffneten nicht, und selbst ein Museum beschreibt denselben Anzug mit beiden Wörtern. Nadelstreifen sind auch kein Pinstriping: So heißt das Aufmalen feiner Zierlinien auf Fahrzeuge, ein Handwerk der Hot-Rod- und Custom-Car-Szene, das nur die englische Wortwurzel mit dem Stoffmuster teilt.
Nadelstreifen sind sehr schmale Längsstreifen, die in mäßig breitem Abstand parallel durch einen Anzug- oder Kostümstoff laufen und sich scharf von der Grundfarbe abheben, meist hell auf dunklem Grund. Das Muster gehört mit Hahnentritt, Gingham und Polka Dots zu den klassischen Stoffmustern; nach ihm heißt auch der Anzug aus solchem Stoff. Mit dem breiteren Kreidestreifen und mit dem Pinstriping, den Zierlinien auf Autos, ist es nicht zu verwechseln.
Merkmale von Nadelstreifen
Duden und DWDS beschreiben Nadelstreifen als sehr schmale Längsstreifen, die in mäßig breitem Abstand parallel laufen und sich scharf von der Grundfarbe abheben; meist steht das Wort im Plural. Das deutsche Wiktionary macht daraus einen „mäßig breiten” Längsstreifen — dort ist also der Streifen selbst mäßig breit, bei Duden und DWDS nur der Abstand. Die englische Wikipedia gibt eine Zahl: oft etwa 0,85 Millimeter.
Wie die Streifen entstehen, sagen die Quellen verschieden. Nach der deutschen Wikipedia werden farblich abgehobene Kettfäden in das Grundgewebe eingearbeitet, nach der englischen besteht jeder Streifen aus einem einzigen Kettfaden — beide Angaben stehen dort ohne Beleg. Das Oxford Advanced Learner’s Dictionary dagegen spricht von weißen Linien, die auf dunklen Stoff gedruckt sind. Auch bei der Farbe sind die Quellen nicht einig: Oxford nennt die Linien weiß, das Cambridge Dictionary „meist hell”, die englische Wikipedia lässt jede Farbe zu. Nach der deutschen Wikipedia sind es überwiegend helle Fäden auf dunkelgrauem oder dunkelblauem Grund.
Name von Nadelstreifen
Das Wort setzt sich aus Nadel und Streifen zusammen, wie DWDS und das deutsche Wiktionary angeben; in Österreich und der Schweiz heißt es nach der deutschen Wikipedia Nadelstreif. Seit wann es im Deutschen gebraucht wird, sagt keine der geöffneten Quellen. Das englische „pinstripe” leitet Etymonline von „pin” ab, der Nadel als Bild für etwas Langes, Schmales und Gerades; als ersten Beleg nennt Etymonline 1882, Merriam-Webster dagegen 1863. Um 1958 stand das englische Wort nach Etymonline bildlich schon für den leitenden Angestellten, weil der Nadelstreifenanzug die übliche Kleidung des Geschäftsmanns der Jahrhundertmitte war.
Nadelstreifen in der Mode
Nach der englischen Wikipedia finden sich Nadelstreifen seit dem frühen 19. Jahrhundert auf Anzügen, und Londoner Banken hätten ihre Angestellten daran erkennbar gemacht; die Belege dafür sind Händlerseiten, Bildagenturen und Zeitungsartikel. Getragen wurden sie nach derselben Quelle zunächst nur an der Hose und erst in den USA des 20. Jahrhunderts auch am Sakko. Das Victoria and Albert Museum bewahrt einen britischen Bootsanzug aus cremefarbener Wolle mit blauen Nadelstreifen aus den Jahren 1890 bis 1900 — solche Garnituren aus gestreiftem Flanell waren damals Kleidung für Sommersport und Ferien — und Herrenanzüge des Londoner Schneiders Radford & Jones aus den 1930er Jahren. Seit 1907 tragen nach Etymonline viele Baseballmannschaften Nadelstreifen. Heute ist der Nadelstreifenanzug nach der deutschen Wikipedia, meist dunkelblau, die fast uniforme Kleidung im internationalen Geschäftsleben.
Älter macht das Muster eine Angabe der englischen Wikipedia: In Chaucers „Canterbury Tales”, geschrieben zwischen 1387 und 1400, trage der Rechtsgelehrte einen Rock mit einem Seidengürtel aus „pin-stripe stuff”. Belegt ist das mit einer neuenglischen Übertragung aus einem Schulbuch. Im mittelenglischen Text der Ausgabe von Walter W. Skeat steht an dieser Stelle „Girt with a ceint of silk, with barres smale”, und das Wort „pin-stripe” kommt im ganzen Werk nicht vor. Es stammt vom Übersetzer; für Nadelstreifen im 14. Jahrhundert ist die Stelle kein Beleg.
Abgrenzung von Nadelstreifen
Der Kreidestreifen, englisch „chalk stripe”, ist nach der englischen Wikipedia und nach der Ratgeberseite Gentleman’s Gazette breiter als der Nadelstreifen; das englische Wiktionary erklärt den weicheren, verschwommenen Eindruck damit, dass er aus mehreren Fäden besteht. Gentleman’s Gazette setzt dazwischen noch den Bleistiftstreifen. Merriam-Webster beschreibt den Kreidestreifen dagegen als feine weiße Linien auf dunklem Grund, ohne ihn vom Nadelstreifen abzusetzen, und das Victoria and Albert Museum nennt einen Anzug von Tommy Nutter aus dem Jahr 1983 in derselben Beschreibung einmal nadelgestreift und einmal kreidegestreift. Eine deutschsprachige Quelle, die die beiden Muster trennt, fand sich nicht; das DWDS kennt „Kreidestreifen” nicht als Stichwort.
Pinstriping heißt nach beiden Wikipedias das Aufbringen sehr feiner Zierlinien aus Farbe, vor allem auf Autos und Motorräder. Die deutsche Wikipedia leitet das Wort ausdrücklich vom englischen „pinstripe” ab und verortet das Handwerk in der Szene um Hot Rod und Custom Car. Mit dem Stoffmuster teilt es nur den Namen.
