Hillbilly
- Definition
- Hillbilly ist eine historische Bezeichnung für die ländliche Musik weißer Bewohner des Südens der USA, unter der die Plattenindustrie ab 1925 die Vorläufer der Countrymusik vermarktete.
- Kategorie
- Genres
- Englisch
- Hillbilly music
- Verwandte Begriffe
- Rockabilly, Western Swing
- Ab
- 1925
- Herkunftsland
- USA
- Abgrenzung
- Hillbilly ist kein eigener Musikstil mit festen Merkmalen, sondern ein Vermarktungsname, unter dem mit der Zeit Verschiedenes lief: zuerst die Fiddle- und Stringband-Musik der Old-Time Music, später auch Honky Tonk, Country Boogie und Bluegrass. Gegen Country grenzt er sich deshalb vor allem zeitlich ab, als der ältere Name, nicht als anderer Klang. Bluegrass ist dagegen ein eigener, später entstandener Stil, den Bill Monroe um 1940 aus diesen Wurzeln formte. Und als Personenbezeichnung ist Hillbilly bis heute ein oft abwertend gebrauchtes Wort für Bewohner ländlicher Gebirgsgegenden der USA; der Duden führt es in dieser Bedeutung als abwertend, in der zweiten als Hillbillymusic.
Hillbilly ist die frühere Bezeichnung der amerikanischen Musikindustrie für die ländliche Musik weißer Bewohner des Südens der USA, aus der die Countrymusik hervorging. Plattenfirmen verwendeten den Namen ab 1925, und bis in die 1950er Jahre blieb er der gängige Begriff für diese Musik. Das Wort selbst ist älter und bezeichnet, oft abwertend, die Bewohner ländlicher Gebirgsgegenden wie der Appalachen.
Was unter Hillbilly lief
Am Anfang stand die Musik, die die deutsche Wikipedia heute Old-Time Music nennt: die Tanzmelodien und Lieder der ländlichen Bevölkerung, gespielt vor allem auf Fiddle, Banjo und Gitarre, mit Wurzeln in der Folklore englischer, irischer und schottischer Einwanderer und einem starken afroamerikanischen Anteil. Die ersten kommerziellen Aufnahmen ländlicher Musiker entstanden nach dieser Quelle 1922 und 1923, und nach den Erfolgen von Stringbands wie Gid Tanners Skillet Lickers und Charlie Pooles North Carolina Ramblers sprach man von einem „Hillbilly-Boom”.
Der Name blieb aber nicht bei dieser Musik. Die deutsche Wikipedia hält fest, dass in den 1930er und 1940er Jahren auch Honky Tonk, Country Boogie und Bluegrass als Hillbilly bezeichnet wurden; die englische zählt Bluegrass, Country, Western und Gospel zu dem, was die Kategorie umfasste. Hillbilly ist damit eher ein Etikett der Plattenindustrie als ein Stil mit festen Merkmalen.
Der Name Hillbilly
Als Wort für Menschen ist Hillbilly älter als die Musik. Die englische Wikipedia nennt als früheste gedruckte Belege eine Eisenbahnerzeitschrift von 1892 und einen Artikel im New York Journal von 1900, der den „Hill-Billie” als freien, ungebundenen weißen Bürger Alabamas beschreibt, der in den Bergen lebt; dieselbe Zeitungsstelle zitiert auch die deutsche Wikipedia.
Zum Musiknamen wurde das Wort 1925, darin stimmen beide Wikipedia-Artikel überein. Wie es dazu kam, erzählen sie verschieden. Nach der deutschen Wikipedia griff der Aufnahmeleiter Ralph Peer die Selbstbezeichnung des Musikers Al Hopkins auf, der sich und seine Gruppe bei einer Aufnahmesitzung für die Plattenfirma Victor „Hillbillies” nannte. Die englische Wikipedia schreibt die Prägung Al Hopkins selbst zu, nennt als Label der „Hill Billies” Columbia und führt Peer als Aufnahmeleiter von OKeh, der das Wort bei Südstaatlern in Virginia gehört und dann für die ganze Musik verwendet habe. Die Angabe zu Victor passt nicht zu dem, was die deutsche Wikipedia selbst über Peer schreibt: Sie führt ihn zuerst bei OKeh und erst bei den Aufnahmen in Bristol 1927 als Aufnahmeleiter für Victor. Gesichert ist hier deshalb nur das Jahr 1925 und die Rolle von Al Hopkins, nicht die Plattenfirma.
Das Ende von Hillbilly
Mit den 1940er Jahren wurde die Musik städtischer und nahm nach der deutschen Wikipedia langsam den Namen Country an; Hillbilly blieb aber bis in die 1950er Jahre hinein ein Begriff für sie. Die englische Wikipedia lässt das Wort nach der Gründung der Country Music Association 1958 allmählich verschwinden und die Branche Hillbilly, Western Swing und Cowboy-Musik zur Kategorie Country and Western zusammenlegen; für diese Angabe fehlt dort allerdings ein Beleg. Einige Musiker, die englische Wikipedia nennt Hank Williams, empfanden das Etikett als Kränkung. Gelegentlich wird es bis heute für Old-Time Music und Bluegrass gebraucht.
Abgrenzung von Hillbilly
Gegen Country grenzt sich Hillbilly vor allem zeitlich ab: Die englische Wikipedia nennt Hillbilly den früher akzeptierten Namen für das, was heute Countrymusik heißt. Bluegrass dagegen ist ein eigener Stil. Nach der deutschen Wikipedia formte ihn der Mandolinenspieler Bill Monroe zwischen 1937 und 1945 unter anderem aus Hillbilly- und Fiddle-Stücken, und benannt wurde er nach dessen Band, den Blue Grass Boys. Der Artikel zur Old-Time Music setzt das Jahr 1939, als Monroe mit dieser Band der Grand Ole Opry beitrat, als Ende der traditionellen Old-Time Music.
Die dritte Verwechslung ist die mit dem Schimpfwort. Duden und DWDS führen Hillbilly mit zwei Bedeutungen: abwertend für einen Hinterwäldler aus den Südstaaten der USA, und als Hillbillymusic. Die deutsche Wikipedia nennt die Personenbezeichnung „oft abfällig”; die englische ergänzt, dass sie innerhalb der Gruppe auch mit Stolz verwendet wird. Wer in einer Ankündigung „Hillbilly” liest, sollte deshalb prüfen, ob die Musik oder ein Klischee gemeint ist.
Hillbilly und Rockabilly
Für dieses Register ist Hillbilly die eine Hälfte des Rockabilly. Der Duden leitet das Wort Rockabilly aus Rock ‘n’ Roll und Hillbilly her und beschreibt den Stil als Verbindung von Rhythm and Blues und Hillbillymusic. Die englische Wikipedia nennt Rockabilly und Hillbilly Boogie als Namen für Lieder, die Merkmale von Hillbilly und afroamerikanischer Musik verbanden, und erinnert daran, dass Elvis Presley früh in seiner Laufbahn als „Hillbilly Cat” bekannt war.
