Stiletto
- Definition
- Ein Stiletto ist ein hoher, sehr schlanker, spitz zulaufender Absatz mit kleiner Auftrittsfläche, der von einem eingesetzten Metallstift getragen wird.
- Kategorie
- Mode
- Deutsch
- Pfennigabsatz
- Englisch
- Stiletto heel
- Verwandte Begriffe
- Peep Toe, Keilabsatz
- Abgrenzung
- Ein Stiletto ist nicht jeder schmale Absatz. Der Kitten Heel ist zwar ebenso schlank, aber kurz — nach der englischen Wikipedia unter fünf Zentimetern, nach der deutschen drei bis fünf —, leicht geschwungen und nach innen versetzt; er gilt als kurze Spielart des Stilettos, nicht als Stiletto im Sinne des hohen Absatzes. Und das Wort meint im Deutschen noch etwas anderes: Ein Stilett ist ein Dolch mit schlanker, spitzer Klinge. Nach ihm ist der Absatz benannt; mit Mode hat die Waffe nichts zu tun.
Ein Stiletto ist ein hoher, sehr schlanker und spitz zulaufender Schuhabsatz mit kleiner Auftrittsfläche; im Deutschen heißt er auch Pfennigabsatz. Übertragen bezeichnet das Wort den ganzen Damenschuh, der auf einem solchen Absatz steht, meist einen spitzen Pumps. In der Vintage-Szene ist der Stiletto der Absatz der fünfziger Jahre, in denen er aufkam und bis in die frühen sechziger Jahre die Damenmode beherrschte.
Form des Stilettos
Den Stiletto macht nicht die Höhe aus, sondern die Schlankheit. Die englische Wikipedia nennt Höhen von 2,5 bis 25 Zentimetern — die oberen Werte nur mit Plateausohle — und eine gelegentlich verwendete Bestimmung: weniger als einen Zentimeter Durchmesser am Boden. Die deutsche Wikipedia beschreibt den Stilettoabsatz als schlanke, spitz zulaufende Form mit kleinem Oberfleck.
Möglich wurde die Form erst durch einen Stift aus Metall im Inneren des Absatzes. Holz und andere ältere Werkstoffe brauchten einen breiten Absatz, um nicht zu brechen; erst ein Kunststoffabsatz mit eingesetztem Stahlstab hielt die Last auf so kleiner Fläche. Die Kehrseite nennt die englische Wikipedia auch: Unter dem Absatz entsteht ein Druck, der höher ist als unter dem Fuß eines Elefanten, was Böden und Teppiche beschädigen kann.
Der Stiletto bestimmt nur den Absatz, nicht den Rest des Schuhs. Ein Pumps auf Stiletto kann vorn geschlossen sein oder eine kleine Öffnung haben, dann ist er zugleich ein Peep Toe. Das Gegenstück ist der Keilabsatz, der mit der Sohle ein Stück bildet und das Gewicht über die ganze Länge des Fußes verteilt.
Woher der Name Stiletto kommt
Bei der Herkunft des Namens gehen die beiden Wikipedias verschiedene Wege, die am Ende zusammenlaufen. Die englische leitet ihn vom Stilett ab, dem Dolch mit schlanker, spitzer Klinge. Die deutsche nennt Stiletto im Artikel über den Pumps „die italienische Bezeichnung für Bleistiftabsatz”. Der Artikel über die Waffe erklärt beides: Das Wort geht auf lateinisch stilus zurück, den metallischen Griffel zum Schreiben, und die Waffe ist nach ihm benannt. Stift und Klinge sind also dasselbe Bild — schlank und spitz —, und der Absatz trägt es weiter.
Geschichte des Stilettos
Wer den Stiletto erfunden hat, ist nicht geklärt. Die englische Wikipedia schreibt, ein Teil der Historiker nenne den italienischen Schuhmacher Salvatore Ferragamo, der mit einem stählernen Gelenk den Weg bereitet habe, ein anderer den Franzosen Charles Jourdan. Verbreitet hätten den Absatz in den 1950er Jahren die französischen Schuhdesigner Roger Vivier und André Perugia. Die deutsche Wikipedia nennt nur Vivier und beschreibt den Weg dorthin: Christian Diors schmaler New Look machte auch schmale, hohe Absätze modern.
Auch beim frühesten Beleg stehen zwei Jahre nebeneinander. Nach der deutschen Wikipedia erwähnte der Daily Telegraph 1953 erstmals Stilettos; die englische Wikipedia zeigt eine Zeitungsanzeige für Stiletto-Absätze aus dem Jahr 1952. Einig sind sich beide über das Ergebnis: Bis in die frühen 1960er Jahre waren Stilettos die vorherrschenden Damenschuhe. In dieser Zeit wurde auch die Spitze immer schmaler und länger, und nach der englischen Wikipedia begann man, den ganzen Schuh Stiletto zu nennen und nicht mehr nur den Absatz.
Mit den Beatles verschwand der Stiletto aus den Läden, nicht von der Straße. 1974 brachte Manolo Blahnik eine neue Fassung unter dem Namen „Needle” heraus, und Ende der 1970er Jahre trugen Punks die alten, unverkauften Bestände auf. In den 1980er Jahren gehörte ein etwas kräftigerer Absatz zum Hosenanzug im Büro, in den 1990ern setzten sich breite Blockabsätze durch, und nach 2000 kam der schlanke Stiletto zurück.
Abgrenzung des Stilettos
Am ehesten verwechselt wird der Stiletto mit dem Kitten Heel, weil beide schlank sind. Der Kitten Heel ist aber kurz, leicht geschwungen und von der Hinterkante des Schuhs nach innen versetzt. Bei der Höhe sind sich die Quellen nicht ganz einig: Die englische Wikipedia zieht die Grenze bei fünf Zentimetern und nennt 2,5 bis 5, die deutsche gibt drei bis fünf Zentimeter an. Beide führen ihn als kurze Spielart des Stilettos. Er kam nach der englischen Wikipedia Ende der 1950er Jahre für junge Mädchen auf, denen hohe Absätze nicht zugetraut wurden, und wurde 1964 durch Audrey Hepburn populär.
Die zweite Verwechslung ist sprachlich. Ein Stilett ist im Deutschen zuerst eine Waffe: ein Dolch mit dünner, spitzer, oft drei- oder vierkantiger Klinge, der aus Italien stammt. Der Absatz hat von ihm nur den Namen.
