Petticoat
- Definition
- Ein Petticoat ist ein versteifter, weiter Unterrock, der in der Taille ansetzt und weiten Röcken allein durch Stofffülle Volumen gibt.
- Kategorie
- Mode
- Verwandte Begriffe
- Reifrock, Unterrock, Korsett, Taillenmieder
- Abgrenzung
- Petticoat, Reifrock und Unterrock werden regelmäßig verwechselt, meinen aber drei verschiedene Kleidungsstücke. Ein Reifrock ist definitionsgemäß durch Reifen aus Holz, Fischbein oder Federstahl gespreizt; Verdugado, Panier, Krinoline und Tournüre sind seine Bauformen. Der Petticoat kommt ohne Gestell aus — sein Volumen entsteht aus versteiftem Gewebe in mehreren Lagen. Der Unterrock wiederum dient dem Erhalt der Körperwärme, dem Sitz der Oberbekleidung und dem leichteren Gleiten des Überrocks, nicht der Silhouette; er kann als Trägerkleid von der Schulter hängen, während der Petticoat in der Taille ansetzt und deshalb in den Wörterbüchern als Halbunterrock geführt wird.
Ein Petticoat ist ein versteifter, weiter Unterrock, der in der Taille ansetzt und weiten Röcken und Kleidern ihr Volumen gibt. Gemeint ist im Deutschen das Kleidungsstück, das in den 1950er Jahren unter langen, taillenbetonten Röcken zur Formunterstützung getragen wurde; das Wort selbst ist eine Entlehnung des 20. Jahrhunderts aus dem Englischen. Er arbeitet mit Stofflagen statt mit einem Gestell — daran hängt die Unterscheidung vom Reifrock.
Aufbau eines Petticoats
Ein Petticoat besteht meist aus einem Sattel — der obersten, in Hüfthöhe sitzenden schmaleren Stufe — und dem darunter ansetzenden breiten Teil mit drei oder vier Stufen. Verarbeitet wurden in den 1950er Jahren versteifte Perlon- und Nylonstoffe sowie mehrere Lagen Tüll; die Stufen sind häufig mit Rüschen und Spitze verziert.
Erhaltene Stücke zeigen, wie das konkret aussieht. Ein dreistufiger Petticoat im Bestand des Freilichtmuseums Roscheider Hof hat eine Basis aus synthetischer Maschenware mit Gummizug, während die beiden unteren Stufen aus grobmaschigem Tüll das Volumen nach unten aufbauen. Ein zweites Stück derselben Sammlung, ein Modell der Marke Solida aus Perlon, erreicht die Weite über eine ab der Hüfte angesetzte Lage steifer Spitze.
Geschichte des Petticoats
Formgebende Unterröcke sind sehr viel älter als das Wort: Bereits im 16. Jahrhundert waren Unterröcke und Reifröcke als Stütze weiter Röcke verbreitet, im 19. Jahrhundert kam die Krinoline auf. Der Begriff Petticoat dagegen wurde erst im 20. Jahrhundert aus dem englischen petticoat übernommen, das für älteres petty coat, „kleiner, kurzer Rock”, eintrat.
Seine Zeit kam mit der Nachkriegsmode. Christian Dior stellte am 12. Februar 1947 seine erste Kollektion vor — die Ligne Corolle, von Carmel Snow, damals Chefredakteurin der amerikanischen Harper’s Bazaar, spontan „New Look” getauft. Schmale Taille über weitem, langem Rock prägte daraufhin die Damenmode der 50er und frühen 60er Jahre, und das taillierte Kostüm wurde je nach Saison mit engem oder mit petticoatgestütztem weitem Rock getragen.
Ab 1954 wurde der Petticoat durch das Aufkommen des Rock-‘n’-Roll-Tanzes ein zweites Mal populär, weil die weiten Röcke den Bewegungsabläufen des Tanzes entgegenkamen. Wie sehr er die Zeit beschäftigte, zeigt der Streit von 1958 darüber, ob Petticoats länger als die Überbekleidung und damit öffentlich sichtbar sein dürften. Er hielt sich durch die Twist-Phase und verschwand ab 1966 mit dem Aufkommen der Minirock-Mode aus der Alltagsmode.
Abgrenzung des Petticoats
Am häufigsten wird der Petticoat mit dem Reifrock verwechselt. Ein Reifrock ist definitionsgemäß ein durch Reifen aus Holz, Fischbein oder Federstahl gespreizter Unterrock; Verdugado, Panier, Krinoline und Tournüre sind seine Bauformen. Der Petticoat kommt ohne solches Gestell aus, sein Volumen entsteht aus versteiftem Gewebe in mehreren Lagen — er fällt weicher und schwingt beim Tanzen mit.
Warum die Verwechslung naheliegt, zeigt ausgerechnet die Krinoline: Nach 1830 begann sie als Unterrock aus rosshaarverstärktem Gewebe, das das bis dahin übliche Tragen mehrerer Stoffunterröcke ablöste, und wurde erst ab 1856 zur Konstruktion aus Federstahlbändern. Das Prinzip „steifer Stoff statt Reifen” ist also deutlich älter als der Petticoat — der Name ist es nicht.
Ebenso ist ein Petticoat kein gewöhnlicher Unterrock. Der dient dem Erhalt der Körperwärme, dem Sitz der Oberbekleidung und dem leichteren Gleiten des Überrocks auf den Beinen; der Petticoat dagegen formt die Silhouette und ist genau dafür gemacht. Dazu kommt der Schnitt: Ein Unterrock kann als Trägerkleid von der Schulter hängen, ein Petticoat setzt in der Taille an — Duden und DWDS führen ihn deshalb als halben Unterrock beziehungsweise Halbunterrock.
Petticoat in der Vintage- und Rockabilly-Szene
In der Szene sind die längeren Varianten mit oft sehr vielen Lagen Stoff gemeint; sie gehören zur Rockabilly- und Western-Szene und sind Teil der traditionellen Tanzkleidung beim Square Dance. Wer einen kaufen will, stößt im Fachhandel auf zwei Maße, die nebeneinander stehen. Das eine ist die Lagenzahl — eine Lage ergibt mittleres Volumen, zwei Lagen einen voluminösen, drei Lagen einen extrem weiten Petticoat. Das andere ist die verarbeitete Stoffmenge in Yard, die aus dem Square Dance stammt: leicht sind rund 20 Yard, mittel 35 bis 40, voluminös 70 bis 80. Eine ideale Zahl gibt es nicht — sie richtet sich nach Rockform und Stoffgewicht. Ein leichter einlagiger Petticoat unter einem Kleid aus schwerem Stoff zeigt kaum Wirkung und wirkt dann wie ein gewöhnlicher Unterrock.
Zwischen Alltag und Bühne trennt vor allem das Material. Für den Alltag gelten weiche Petticoats aus Polyestertüll als praktikabel; leichte, einlagige Modelle werden auch unter weiten Röcken im Büro getragen, voluminöse eher in der Freizeit und zu festlichen Anlässen. Steifer Nylontüll erzeugt mit wenigen Lagen viel Volumen und ist formstabil, kratzt aber, kann feine Strümpfe ruinieren und verträgt häufiges Waschen schlecht — er wird heute vor allem für Faschings- und Bühnenkostüme verwendet. Chiffon ist ebenfalls steif und besonders standfest und deshalb das Material der großen Square-Dance-Petticoats.
Die Länge richtet sich nach dem Überrock: Der Petticoat sollte dieselbe Länge haben wie der Rock, gemessen ab der Unterkante des Taillenbunds. Ist er zu kurz, klappt der Rock an dieser Stelle um und bildet eine harte Kante. Im Handel üblich sind drei Standardlängen — 20 Zoll (50,8 cm) knielang, 23 Zoll (58 cm) knieumspielend, 26 Zoll (66 cm) wadenlang. Ob er sichtbar sein darf, ist eine Stilfrage mit historischem Hintergrund: Für einen zeitgetreuen Fünfziger-Look schließt der Petticoat mit dem Rocksaum ab, denn er war Unterwäsche. Im modernen Rockabilly-Look darf die unterste Rüsche darunter hervorblitzen — genau die Frage, über die 1958 öffentlich gestritten wurde.
Beim Tanzen zeigt sich der Unterschied zum Reifrock am deutlichsten: Ein Petticoat hat kein Gestell, das eine Form erzwingt, sondern bewegt sich mit. Damit das funktioniert, muss der Rock darüber weit genug sein — ein zu voluminöser Petticoat unter einem zu wenig ausgestellten Rock kann sich nicht entfalten und steht steif ab. Ebenso wichtig ist der Sitz: Der Bund gehört in die natürliche Taille über den Hüftknochen. Hängt er auf der Hüfte, rutscht der Petticoat beim Laufen und Tanzen nach unten. Unter dem Petticoat werden meist rüschenverzierte Spitzenhöschen aus Baumwolle oder Kunstfaser getragen, die sogenannten Pettipants.
Bei der Pflege gehen die Empfehlungen des Fachhandels auseinander, und zwar sichtbar entlang der Machart. Der Square-Dance-Ausstatter Dance-Fit rät, so selten wie möglich zu waschen — meist genüge Auslüften — und dann von Hand und ohne Zusätze. Peggy Sue Vintage wäscht seine weichen Polyestertüll-Modelle dagegen im Woll- oder Schonwaschgang, im Kopfkissenbezug oder Wäschenetz, damit der Petticoat nicht an der Trommel hängenbleibt. Einig sind sich beide in zwei Punkten: kein Weichspüler und kein Trockner. Zum Trocknen wird der Petticoat locker auf einen Wäscheständer gelegt oder auf links gedreht am Gummibund aufgehängt, nie auf die Heizung.
Das Aufplustern ist Handarbeit und gehört vor jedes Tragen: Die einzelnen Lagen werden auseinandergezogen, damit sich das Material gegeneinander abdrückt und Volumen aufbaut. Verliert ein Petticoat mit den Jahren an Standfestigkeit, lässt sich mit Sprühstärke ein Teil davon wiederherstellen — ausdrücklich nur ein Teil. Beim Lagern widersprechen sich die beiden Häuser offen: Dance-Fit rät, den Petticoat weder gequetscht noch hängend aufzubewahren, sondern zusammengerafft in einem Baumwollbeutel, und keinesfalls in verschlossenen Plastikbeuteln, weil dort Stockflecken entstehen. Peggy Sue Vintage schreibt, die eigenen Modelle ließen sich ohne Volumenverlust klein zusammenquetschen, in ein Petticoatsäckchen, einen Turnbeutel oder einen Kopfkissenbezug, für längere Pausen auch in einen Vakuumbeutel. Wer ein bestimmtes Stück pflegt, folgt sinnvollerweise der Anleitung seines Herstellers.
Häufige Fragen
Was heißt Petticoat auf Deutsch?
Wörtlich „kleiner Rock", so jedenfalls Duden und DWDS. Das englische petticoat steht für älteres petty coat, aus petty (von französisch petit, klein) und coat; das DWDS übersetzt coat mit „Rock", die deutsche Wikipedia dagegen mit „Umhang, Mantel". Ein eigenes deutsches Wort gibt es nicht. Der Duden nennt Unterrock und Halbrock als sinnverwandt, das DWDS umschreibt den Petticoat als versteiften Halbunterrock.
In welcher Zeit trug man Petticoat?
Vor allem in den 1950er und frühen 1960er Jahren, unter den weiten, taillenbetonten Röcken dieser Zeit; nach der deutschen Wikipedia verschwand er ab 1966 mit dem Minirock aus der Alltagsmode. Das Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, das das DWDS zitiert, beschrieb ihn 1974 noch als Unterrock, den vor allem junge Mädchen trugen. Heute gehört er zur Tanzkleidung beim Square Dance und zur Rockabilly-Szene.
