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V101-02 · Mode

Korsett

Definition
Ein Korsett ist ein durch Stäbchen und Schnürung versteiftes Kleidungsstück, das den Oberkörper eng umschließt und seine Form verändert.
Kategorie
Mode
Deutsch
Schnürleib
Englisch
Corset
Verwandte Begriffe
Petticoat, Taillenmieder, Unterrock
Ab
1550
Herkunftsland
Frankreich
Abgrenzung
Korsett, Korsage und Mieder werden im Handel synonym geführt — der Duden selbst nennt Korsage als Synonym von Korsett —, meinen im heutigen Sprachgebrauch aber Verschiedenes. Ein Korsett ist Unterwäsche und formt über Stäbchen und Schnürung. Eine Korsage ist nach derselben Quelle das trägerlose Oberteil eines Kleides, also Oberbekleidung, die zwar stützt, aber nicht die Figur verändern soll. Mieder ist der Oberbegriff für alles eng am Oberkörper Anliegende und meint heute meist weiche Formwäsche ohne Stäbe. Wer im Vintage-Handel eine Korsage kauft und die Wespentaille des Korsetts erwartet, kauft am Effekt vorbei. Kein Korsett ist schließlich das medizinische Stützkorsett, das denselben Namen trägt und den Rumpf stabilisieren statt formen soll.

Ein Korsett ist ein steifes, zur Unterkleidung gehöriges Kleidungsstück, das eng am Oberkörper anliegt und ihn durch eingearbeitete Stäbchen und eine Schnürung in eine gewünschte Form bringt. Es ist damit das Gegenstück zum Petticoat: Beide bauen die Fünfziger-Silhouette, aber das Korsett verengt, wo der Petticoat weitet. Das Wort ist im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt — corset, Verkleinerungsform zu altfranzösisch cors, „Körper, Leib” — und verdrängte das einheimische Mieder.

Aufbau eines Korsetts

Ein Korsett besteht aus zwei Lagen festen Stoffs, zwischen denen die formgebenden Stäbe stecken, und einer Schnürung, über die sich der Umfang einstellen lässt. Wie das über die Jahrhunderte gelöst wurde, zeigen erhaltene Stücke besser als jede Beschreibung.

Ein Mieder aus der Mitte des 18. Jahrhunderts im Altmärkischen Museum Stendal besteht aus gechintztem Leinen und Fischbein. Die Stäbe liegen sehr dicht nebeneinander zwischen den beiden Leinenlagen, die dazwischen sorgfältig zusammengenäht sind; besonders starke Stäbe verstärken die Rückenkanten, die Seiten und die Bereiche seitlich der vorderen Mitte. Geschlossen wurde es mit zweimal neun Schnürlöchern. Unten sitzen Schlitze, die ein Abspreizen der Schöße erlaubten — das Stück endet nicht in einer Kante, sondern in Laschen, die sich über die Hüfte legen.

Gut hundert Jahre später ist die Konstruktion industriell. Ein Korsett von etwa 1870 im Historischen Museum Hannover besteht aus feinem grauen Leinen mit zahlreichen dunkleren Streifen, in die Fischbeinstäbchen eingelassen sind. Vorne schließt es über einen Stahlstangenverschluss mit fünf Ösen, hinten über eine Schnürung — das ist die klassische Kombination aus Planchette und Schnürband, die das An- und Ausziehen ohne fremde Hilfe möglich macht. Am oberen Rand sitzt eine Spitze mit hellblauem Seidenband. Die Taille komprimierte es auf 56 Zentimeter Umfang. Das Stück gehörte der Mutter der Vorbesitzerin; es ist getragene Kleidung, kein Ausstellungsstück.

Geschichte des Korsetts

Die Vorläufer erscheinen um die Mitte des 16. Jahrhunderts als anliegende, geschnürte Kleidungsstücke noch ohne innere Versteifung. Das älteste erhaltene Stück mit eingearbeiteter Verstärkung stammt aus dem Grab der 1598 verstorbenen Dorothea Sabina von Pfalz-Neuburg; es hat parallele Nahtreihen, in die Fischbein oder Grasbündel eingezogen wurden.

Zwischen 1830 und 1870 entsteht die Silhouette, die bis heute als typisch gilt: die Sanduhr aus schmaler Taille bei vollerer Brust und Hüfte. Um 1900 folgt das S-Korsett, das die Brust nach vorn schiebt und den Bauch unnatürlich zusammendrückt; um 1910 lösen es Unterbrustkorsette ab.

Das Ende als Alltagskleidungsstück kommt mit dem Ersten Weltkrieg, und zwar aus einem unerwarteten Grund: Das US-amerikanische War Industries Board bat Frauen, keine Korsetts mehr zu kaufen, um das darin verbaute Metall für die Rüstungsindustrie freizubekommen.

Korsett und Gesundheit

Der Streit über das Schnüren ist so alt wie die Mode selbst. Ärzte warnten durchgehend, enges Schnüren verforme das Skelett in der Entwicklung und presse die inneren Organe zusammen. Das österreichische Kaiserreich verbot Korsetts 1812 per Verordnung in Schulen und begründete das ausdrücklich gesundheitlich.

Wie belastbar diese Befunde waren, ist eine eigene Frage: Ohne Röntgen und ohne Computertomografie blieb der behauptete Schaden nach Quellenlage Vermutung. Belegt ist dagegen, was mit jahrzehntelanger Gewöhnung möglich ist — Guinness World Records führt Cathie Jung, die ab 1983 täglich 23 Stunden Korsett trug und damit eine Taille von 15 Zoll, also 38 Zentimetern, erreichte.

Heute erscheint das Korsett vor allem im Bühnenkostüm, in der historischen Darstellung und in Subkulturen wie Gothic und Steampunk. Daneben steht der medizinische Wortgebrauch: ein Stützkorsett zur Behandlung von Skoliose oder Kyphose.

Abgrenzung des Korsetts

Die folgenreichste Verwechslung ist die mit der Korsage, und sie wird von den Nachschlagewerken selbst begünstigt: Der Duden führt Korsage als Synonym von Korsett. In der Sache trennt er die beiden aber sauber. Ein Korsett ist ein Mieder mit festen Stäbchen, das den Körper durch Gummieinsätze oder Schnürung in eine bestimmte Form bringt — Unterwäsche also, deren Zweck die Formveränderung ist. Eine Korsage ist dagegen das „trägerlose, sehr eng auf Figur gearbeitete Oberteil eines Kleides, das durch Stäbchen oder Schnürung hält”: Oberbekleidung, die sich am Körper hält, ihn aber nicht umbaut. Wer für einen Pin-up-Look eine Korsage kauft und die Wespentaille erwartet, hat das falsche Kleidungsstück gekauft.

Das Mieder wiederum ist kein Konkurrent, sondern der Oberbegriff: ein den Oberkörper eng umschließendes Kleidungsstück, je nach Zusammenhang das Oberteil eines Kleides, ein versteiftes Oberteil oder eben ein Korsett. Der historische Weg erklärt die Unschärfe — das französische corset verdrängte im 18. Jahrhundert das deutsche Wort, ohne es zu ersetzen. Wie wenig scharf die Grenze bis heute ist, zeigt ausgerechnet ein Museum: Das Altmärkische Museum Stendal katalogisiert sein Stück aus den 1740er Jahren unter „Mieder / Korsett”. Im heutigen Sprachgebrauch meint Mieder meist weiche Formwäsche mit mehr Bewegungsfreiheit als die historischen Vorbilder.

Enger verwandt, aber nicht dasselbe ist das Taillenmieder. Es arbeitet mit demselben Prinzip aus Stäbchen und Zug, greift aber nur an der Taille an und lässt Brustkorb und Hüfte frei; die englischsprachige Wikipedia beschreibt es folgerichtig als leichtere Alternative zum Korsett für den täglichen Gebrauch. Wer den Rumpf als Ganzes formen will, braucht ein Korsett; wer nur die Taille verschmälern will, kommt mit weniger aus.

Schließlich teilt sich das Wort mit der Medizin: Ein Korsett ist dort ein Verband oder eine Stützkonstruktion für den Rumpf. Gemeinsam ist beiden nur die Bauform — das eine soll stabilisieren, das andere formen.

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