Mods
- Definition
- Mods sind die Angehörigen einer britischen Jugendkultur, die Ende der 1950er Jahre in London entstand und sich über maßgeschneiderte Kleidung, Motorroller und Modern Jazz, Soul und Rhythm and Blues definierte.
- Kategorie
- Szene
- Englisch
- Mod
- Verwandte Begriffe
- Teddy Boy, Halbstarke, Rock'n'Roll, Rockabilly, Rhythm and Blues, Psychobilly
- Herkunftsland
- Vereinigtes Königreich
- Abgrenzung
- Mods sind nicht die Rocker, sondern deren Gegenspieler. Die Rocker waren in Großbritannien eine Jugendkultur der späten 1950er und der 1960er Jahre mit Lederjacke und Motorrad, die Rockabilly und frühen Rock 'n' Roll hörte; die Mods trugen Maßanzug und Parka, fuhren Motorroller und distanzierten sich vom Rock 'n' Roll. Im Deutschen meint „Rocker" außerdem die Motorradclub-Szene, die mit beiden nichts zu tun hat. Mods sind auch keine britischen Halbstarken: Die Halbstarken waren Jugendliche der 1950er Jahre im deutschsprachigen Raum, mit Tolle, Jeans und Lederjacke und dem Rock 'n' Roll als Musik. Von den Teddy Boys übernahmen die Mods laut der englischen Wikipedia den Dandy-Anspruch.
Mods sind die Angehörigen einer britischen Jugendkultur, die Ende der 1950er Jahre in London unter jungen Anhängern des Modern Jazz entstand und vor allem in den frühen und mittleren 1960er Jahren verbreitet war. Ihre Kennzeichen waren maßgeschneiderte Anzüge, der Parka und der italienische Motorroller, ihre Musik reichte vom Modern Jazz über Rhythm and Blues bis zu Soul und Ska. In Großbritannien bildeten die Mods den Gegenpol zu den Rockern, die den Rock ‘n’ Roll der 1950er Jahre hörten.
Der Name Mods
„Mod” ist die Kurzform von „Modernist”. So nannte man laut der englischen Wikipedia in den 1950er Jahren die Musiker und Fans des Modern Jazz, im Unterschied zu den „Trads” des traditionellen Jazz; mit der Moderne in Kunst und Architektur hat das Wort nichts zu tun. Der Duden führt „der Mod”, meist im Plural, als Angehörigen einer Gruppe männlicher Jugendlicher, die Musik der 1960er Jahre sowie Anzug und Krawatte bevorzugen. Auf junge Männer beschränkt die englische Wikipedia die Szene nicht: Sie beschreibt eine eigene Mode der weiblichen Mods, und nach Stuart Hall und Tony Jefferson waren junge Frauen hier sichtbarer als in anderen Jugendkulturen.
Geschichte der Mods
Über die soziale Herkunft gehen die Darstellungen auseinander. Die deutsche Wikipedia nennt Jugendliche aus der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht, die mit teurer Kleidung ihre Herkunft unwichtig machen wollten. Die englische Wikipedia stützt das mit George Melly, führt aber auch Simon Frith an, der die Wurzeln in den Kaffeebars der Beatniks und Kunststudenten sieht, und Steve Sparks, nach eigener Aussage ein Mod der ersten Stunde, der das Bild vom Roller fahrenden Arbeiterjungen für ein Missverständnis hält. Als Vorläufer gelten die Teddy Boys, von denen die Mods den Dandy-Anspruch übernahmen.
Ab etwa 1965 löste sich die ursprüngliche Szene im „Swinging London” auf; aus den „Hard Mods” wurden Ende der 1960er Jahre die frühen Skinheads. Ende der 1970er Jahre kam ein Revival, getragen vom Film „Quadrophenia” (1979) und Bands wie The Jam. Nach der deutschen Wikipedia erreichte die Szene erst mit dieser zweiten Welle auch Deutschland.
Kleidung und Roller der Mods
Die englische Wikipedia beschreibt Maßanzüge mit schmalem Revers, schmale Krawatten und Hemden mit Button-down-Kragen; Vorbilder kamen aus Italien und Frankreich. Darüber trugen viele einen ausgemusterten Militärparka, der beim Rollerfahren die teure Kleidung schützte. Gefahren wurden Vespa und Lambretta, oft verchromt und mit Dutzenden Spiegeln bestückt, wie auch die BBC festhält.
Musik der Mods
Am Anfang stand Modern Jazz, etwa von Miles Davis oder dem Modern Jazz Quartet, dazu amerikanischer Rhythm and Blues; später kamen Soul und jamaikanischer Ska hinzu. Zu den Bands der Szene zählen The Who und die Small Faces. Bei der Beatmusik widersprechen sich die Quellen: Die deutsche Wikipedia rechnet britische Beatmusik zu den Wurzeln, die englische schreibt, der Beat der Beatles sei bei Mods weniger beliebt gewesen als britischer R&B. Vom Rock ‘n’ Roll distanzierten sich die Mods laut der deutschen Wikipedia ausdrücklich.
Mods und Rocker: die Zusammenstöße von 1964
Die Rocker trugen Lederjacke, fuhren Motorrad und hörten nach der englischen Wikipedia Rockabilly und frühen Rock ‘n’ Roll; die BBC nennt Elvis Presley und Gene Vincent. Am Pfingstwochenende 1964 kam es in mehreren Badeorten zu Krawallen: Die BBC berichtete am 18. Mai 1964 von 51 Festnahmen in Margate, über 1.000 beteiligten Jugendlichen in Brighton und weiteren Zusammenstößen in Bournemouth und Clacton.
Wie typisch das war, ist umstritten. Die deutsche Wikipedia schildert Straßenschlachten in Brighton als häufige Wochenendereignisse. Der Soziologe Stanley Cohen dagegen sah in der Berichterstattung eine „moralische Panik” und hielt die Raufereien für nicht schlimmer als andere Jugendschlägereien der Zeit; Dick Hebdige meint, beide Gruppen hätten kaum Kontakt gehabt. Für die heutige Szene zählt die Linie der Rocker: Laut der englischen Wikipedia prägten sie das Rockabilly-Revival und den Psychobilly.
Abgrenzung von Mods
Mods sind weder Rocker noch britische Halbstarke. Die Halbstarken waren Jugendliche der 1950er Jahre im deutschsprachigen Raum mit Tolle, Jeans, Lederjacke und Rock ‘n’ Roll; der Historiker Bodo Mrozek sieht Mods und Rocker als spätere Variationen dieses Musters. Im Deutschen meint „Rocker” zudem die Motorradclub-Szene, nicht die britische Jugendkultur.
