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V101-01 · Musik

Rock'n'Roll

Definition
Rock'n'Roll ist eine in den 1950er Jahren in den USA entstandene Musikrichtung, die Rhythm and Blues mit Country-Musik verbindet.
Kategorie
Genres
Deutsch
Rock and Roll
Englisch
rock and roll
Herkunftsland
USA
Abgrenzung
Drei Verwechslungen, und die erste ist in einem Terminkalender die folgenreichste: Rock'n'Roll ist auch der Name eines Turniertanzes, der aus dem Lindy Hop hervorgegangen ist und dessen Merkmal die akrobatischen Einlagen sind. Dieser Eintrag beschreibt die Musik. Zweitens ist Rock'n'Roll der Oberbegriff, nicht das Synonym für Rockabilly: Rockabilly ist die country-geprägte Spielart aus den Südstaaten, eine von rund einem Dutzend, die die deutsche Wikipedia auflistet. Drittens meint „Rock'n'Roll" seit den 1970er Jahren auch eine Spielart der Rockmusik bzw. des Hard Rock, die auf bewusst einfache Komposition und Besetzung setzt — Motörhead eröffnete Auftritte traditionell mit „We are Motörhead and we play Rock 'n' Roll!". Wer das Wort in einer Bandbeschreibung von 1985 liest, liest nicht dasselbe wie in einer von 1957.

Rock’n’Roll ist ein Sammelbegriff für eine US-amerikanische Musikrichtung der 1950er und frühen 1960er Jahre und für das Lebensgefühl der Jugendkultur, die sich über sie verständigte. Britannica beschreibt die Musik als Verschmelzung von Country-Musik und Rhythm and Blues; die deutsche Wikipedia nennt sie einen „nicht klar umrissenen Begriff” und die Ursprungsform der Rockmusik. Das Wort bezeichnet außerdem einen Turniertanz — dieser Eintrag beschreibt die Musik.

Merkmale des Rock’n’Roll

Die typische Besetzung ist ein Sänger als Frontmann, begleitet von Gitarre und/oder Klavier, Kontrabass oder E-Bass und Schlagzeug, gelegentlich ergänzt durch Saxofon. Der Gesang ist oft kehlig-rau. Ein wiederholtes Riff liegt über einem harten Beat, in der Regel im 4/4-Takt und mit deutlichem Backbeat. Die Stücke sind vergleichsweise kurz und folgen häufig dem zwölftaktigen Bluesschema; die rollende Basslinie, die dem Stil seinen Bewegungseindruck gibt, stammt aus dem Boogie-Woogie.

Der Duden nennt als dritte Zutat neben Rhythm and Blues und Country auch „Elemente des Dixieland”. Diese Zuschreibung steht nur dort und bei keiner der drei übrigen geöffneten Quellen; sie ist deshalb hier als Angabe des Duden festgehalten und nicht in die Definition übernommen.

Der Name Rock’n’Roll

Wörtlich heißt rock and roll „wiegen und rollen” — so führen es Duden und DWDS. In afroamerikanischem Slang war die Wendung ein Euphemismus für den Beischlaf, und genau das ist der Punkt, an dem sich die Quellen zur Wortprägung auseinanderentwickeln.

Die deutsche Wikipedia schreibt, der Begriff sei „vermutlich erstmals 1951 vom amerikanischen DJ Alan Freed geprägt” worden. Dieselbe Quelle liefert im unmittelbar folgenden Satz die Gegenbelege: „Rock” und „Rock and Roll” seien schon vorher in Rhythm-and-Blues-Titeln aufgetaucht, etwa 1934 bei den Boswell Sisters mit „Rock & Roll” und 1951 bei Eunice Davis mit „Rock Little Daddy”. Und an einer dritten Stelle, im Abschnitt zum Northern Band Style, datiert der Artikel Freeds Verwendung ausdrücklich anders: „Erst zwei Jahre später, im Herbst 1955, betitelten Alan Freed und Bill Randle diese vorher nur unter Rhythm & Blues gehandelte Musik als Rock ’n’ Roll.” Der Artikel widerspricht sich damit selbst, und der Widerspruch ist nicht rekonstruierbar, sondern nur benennbar — der Artikel trägt einen Wartungsbaustein, dass ihm Belege fehlen.

Britannica stützt die Gegenseite. Dort heißt es: „For decades African Americans had used the term rock and roll as a euphemism for sex” — das Wort war also lange vor 1951 in Gebrauch. Freed erscheint bei Britannica nicht als Wortschöpfer, sondern als einer von drei Diskjockeys, die den Sound verbreiteten — neben ihm nennt der Artikel Dewey Phillips aus Memphis und William „Hoss” Allen von WLAC in Nashville: Heralding this new sound were disc jockeys such as Alan Freed of Cleveland, Ohio, Dewey Phillips of Memphis, Tennessee, and William (Hoss) Allen of WLAC in Nashville, Tennessee.

Was daraus gesichert übrig bleibt, ist die schwächere, aber belastbare Aussage: Freed hat den Begriff als Genrebezeichnung breit durchgesetzt, nicht erfunden. Auch die deutsche Wikipedia formuliert das an einer Stelle so — es bleibe „unumstritten, dass es Freed war, der sowohl den Begriff als auch die Musik selbst für eine breite Öffentlichkeit gängig machte”. Die Jahreszahl 1951 steht hier deshalb als Angabe der Wikipedia, gegen die dieselbe Quelle zweimal selbst spricht.

Datierung des Rock’n’Roll

Keine der vier Quellen nennt ein Anfangs- oder Endjahr des Stils, und untereinander datieren sie unterschiedlich. Der Duden schreibt „Anfang der 50er-Jahre in Amerika entstandene Form der [Tanz]musik”. Britannica sagt „originated in the United States in the mid-1950s” und lässt die „golden era” mit dem Ende der 1950er Jahre auslaufen. Die deutsche Wikipedia spannt den Bogen weiter und spricht von den „1950er- und frühen 1960er-Jahren”. Das DWDS datiert die Übernahme ins Deutsche schlicht auf die „50er Jahre 20. Jh.“.

Anfang, Mitte, ganzes Jahrzehnt und darüber hinaus — die Felder für die Ära bleiben in diesem Eintrag deshalb leer. Jede Jahreszahl darin wäre eine Auslegung von „Anfang” oder „Mitte” und damit geschätzt, nicht belegt.

Datierbar sind dagegen einzelne Ereignisse, und die nennt die Wikipedia: Bill Haley nahm „Rock Around the Clock” 1954/55 auf; den weltweiten Durchbruch brachte 1955 der Film „Die Saat der Gewalt”, in dem der Song zweimal eingesetzt wurde. Ab 1956 traten Chuck Berry, Little Richard, Jerry Lee Lewis und der frühe Elvis Presley hervor. Der Flugzeugabsturz, bei dem 1959 Buddy Holly, Ritchie Valens und der Big Bopper starben, und Eddie Cochrans Tod 1960 leiteten nach derselben Darstellung das Ende des rebellischen Rock’n’Roll ein. Das sind Daten von Ereignissen, keine Stilgrenzen.

Spielarten des Rock’n’Roll

Rock’n’Roll war nach der Darstellung der deutschen Wikipedia nie ein homogener Stil, sondern ein Sammelbegriff für regional getrennte Musikarten — die Radiosender waren lokal, die Plattenindustrie war regional organisiert, und in den Südstaaten herrschte Rassentrennung. Der Artikel führt rund ein Dutzend Spielarten auf, darunter den Northern Band Style um Bill Haley, den Rockabilly der Südstaaten, schwarzen und weißen Doo Wop, den New Orleans Sound, Surf und Hotrod, Handjive, Instrumentalstücke, Highschool-Rock’n’Roll und den Twist.

Gemeinsam ist ihnen laut Wikipedia zweierlei: Sie sind Ausdruck gesellschaftlicher Rebellion, und sie wurzeln im Rhythm and Blues. Vom Rhythm and Blues übernahm der Rock’n’Roll Metrum, Gesangsstil und textliche Grundlagen; als Vorläufer gilt auch der Jump Blues, der am Übergang von der Big-Band-Ära zum Rhythm and Blues steht.

Abgrenzung des Rock’n’Roll

Die erste und in der Praxis wichtigste Abgrenzung ist die zum gleichnamigen Tanz, der im Register einen eigenen Eintrag hat: Der Rock’n’Roll-Tanz ist als Turniertanz aus dem Lindy Hop hervorgegangen und für seine akrobatischen Einlagen bekannt; wer in einem Terminkalender der Szene auf das Wort stößt, muss aus dem Zusammenhang schließen, ob Musik oder Tanz gemeint ist. Derselbe Fallstrick liegt beim Boogie-Woogie, der ebenfalls beides bezeichnet — als Tanz beschrieben im Eintrag Boogie-Woogie-Tanz.

Die zweite Abgrenzung ist die zum Rockabilly. Rock’n’Roll ist der Oberbegriff; Rockabilly ist die um 1953 in den Südstaaten entstandene, country-geprägte Spielart mit geslapptem Kontrabass, E-Gitarre und Gesang. Die Wikipedia warnt zusätzlich davor, den Rockabilly mit dem Northern Band Style zu verwechseln, der den geslappten Bass teilt, aber dominanteres Schlagzeug und Bläser einsetzt.

Die dritte Abgrenzung betrifft nicht die Musik der 1950er Jahre, sondern das Wort danach. Seit den 1970er Jahren bezeichnet „Rock’n’Roll” auch eine Spielart der Rockmusik und des Hard Rock, die sich bewusst einfach hält — in Komposition, Besetzung und Bühnenbild. Motörhead eröffnete ihre Auftritte traditionell mit dem Satz „We are Motörhead and we play Rock ‘n’ Roll!“. Diese Verwendung ist eine Abgrenzung gegen Progressive Rock und Glam Rock, keine Aussage über die 1950er Jahre.

Rock’n’Roll in diesem Register

Als Sammelbegriff ist Rock’n’Roll der Knoten, an dem in diesem Register die meisten Fäden hängen: Er steht in den Beschreibungen von Veranstaltungen, Orten und Regionen ebenso wie in den Nachbarbegriffen des Lexikons. Der Name taucht in Veranstaltungstiteln auf, etwa beim Rock’n’Roll Festival Ganderkesee 2027 auf dem Flugplatz Ganderkesee, und er beschreibt die Szene, die in Niedersachsen vor allem über große Freigelände-Festivals sichtbar wird.

Ob die Spielarten, die dieses Lexikon einzeln führt, künftig über ein Feld für den Oberbegriff auf diesen Eintrag zeigen, entscheidet ein eigener Posten — hier stehen sie als verwandte Begriffe.

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