Termin melden

V101-02 · Mode

Strapsgürtel

Definition
Ein Strapsgürtel ist ein Gürtel mit elastischen Haltebändern, der Strümpfe hält und außer dieser Aufgabe keine hat.
Kategorie
Mode
Deutsch
Strumpfhaltergürtel
Englisch
Garter belt
Verwandte Begriffe
Korsett, Unterrock
Abgrenzung
Strapsgürtel und Strumpfband sind nicht dasselbe, obwohl beide Strümpfe halten. Ein Strumpfband ist ein einzelnes elastisches Band um den Oberschenkel und braucht keinen Gürtel; ein Strapsgürtel sitzt an der Taille oder Hüfte und hält über herabhängende Bänder. Wer im Vintage-Handel ein "Strumpfband" bestellt und einen Gürtel erwartet, bekommt den Ring — das Brautstrumpfband ist genau dieses Teil. Zweite Unschärfe, und diesmal eine sprachliche: "Strapse" heißen streng genommen nur die Haltebänder selbst, umgangssprachlich aber der ganze Gürtel; das DWDS führt "Straps" schlicht als Damenstrumpfhalter. Und drittens ist ein Strapsgürtel kein Hüfthalter: Der formt zusätzlich, der Strapsgürtel tut ausdrücklich nichts als halten.

Ein Strapsgürtel ist ein Gürtel mit herabhängenden elastischen Bändern, an deren Enden Strümpfe befestigt werden. Er ist damit das seltene Kleidungsstück, das genau eine Aufgabe hat: Strümpfe am Herunterrutschen zu hindern. Für die Vintage-Garderobe ist er die Voraussetzung für Nahtstrümpfe, weil diese naturgemäß keinen Halt aus sich selbst haben.

Aufbau eines Strapsgürtels

Die Haltebänder selbst heißen Strapse: elastische Bändchen mit einer Spange am unteren Ende. Zwei Systeme sind gebräuchlich. Beim älteren sitzt am Bandende eine Öse und ein Knopf; der Knopf wird zwischen Strumpf und Strumpfrand geschoben, dann zieht man die Öse zurück, bis der Knopf einrastet. Beim einfacheren klemmt ein Clip direkt am Strumpf. Vier Strapse sind die übliche Zahl — zwei vorn, zwei hinten je Bein.

Strapse müssen nicht an einem eigenen Gürtel hängen. Sie sitzen ebenso an Korsetts, Korseletts, Korsagen, gelegentlich an einem Body und selten an einem Slip. Der Strapsgürtel ist der Fall, in dem sie ihr eigenes Trägerteil bekommen.

Wie eng die Grenze zum formenden Mieder in der Praxis war, zeigen zwei Stücke aus den fünfziger Jahren, die beide ausdrücklich Hüfthalter heißen und keine reinen Strapsgürtel sind. Ein rosafarbener Hüfthalter der Marke Triumph im Historischen Museum Hannover, Modell „Universum Diamant S Extra 80” von 1959, besteht aus Baumwoll-Jacquardware mit eingewebtem Blumenmuster, hat zwei Satineinsätze vorn, eine Schnürung hinten und unten vier Schnallen zur Befestigung von Feinstrümpfen. Ein zweites Stück im Lippischen Landesmuseum Detmold, ebenfalls von Triumph International und aus den fünfziger Jahren, ist aus lachsfarbenem Satin mit Viskose-Baumwollgemisch, vorn mit Baumwollstoff unterlegt und mit einer tropfenförmigen versteiften Ziernaht versehen; seitlich sitzen 3,5 Zentimeter breite Elastanstreifen, links ein Haken- und Ösenband mit je fünf Haken und Ösen. Die vier Strumpfhalter sind zwei Zentimeter breite und zehn Zentimeter lange Gummibänder mit Metallschnallen zur Längsjustierung. Beides sind formende Kleidungsstücke, an die das Halten angebaut wurde — nicht umgekehrt.

Geschichte des Strapsgürtels

Der Vorläufer ist das Strumpfband, seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlich und damals von Männern sichtbar getragen, um enge Beinkleider zu halten. Noch älter sind laut Wikipedia Funde von Strumpfbefestigungen in alemannischen Frauengräbern des 4. bis 7. Jahrhunderts; ein Einzelbeleg steht dort nicht.

Im 19. Jahrhundert entwickeln sich daraus herabhängende Bändchen mit Befestigungselementen wie Spangen. Kaufen konnte man sie einzeln oder fest an Wäschestücke montiert — an Hüfthalter, Korseletts oder Reformleibchen. Um 1900 werden Strapse einzeln oder paarweise an Korsetts und Hüftgürtel gesetzt. Bis in die 1960er Jahre wurden auch Kinderwollstrümpfe mit Bändern an Leibchen befestigt; das Prinzip war also nicht auf Damenwäsche beschränkt.

Das Ende kam mit einem einzigen Konkurrenzprodukt. Die Strumpfhose, die in den 1960er Jahren aufkam, machte den Strapsgürtel als Gebrauchsgegenstand nahezu überflüssig — sie löst dasselbe Problem, ohne dass etwas gehalten werden muss. Zurückgekehrt ist er danach in einer anderen Rolle: als erotisch besetztes Wäschestück. Damit ist er heute im Wesentlichen Dessous, nicht Unterwäsche.

Abgrenzung des Strapsgürtels

Die häufigste Verwechslung ist die mit dem Strumpfband. Das ist ein textiles Band, das über dem Strumpf um das Bein getragen wird — je nach Mode unter oder über dem Knie, heute verdeckt am Oberschenkel. Früher musste man es binden, moderne Ausführungen sind elastisch und werden übergestreift. Es kommt ohne Gürtel aus und hält allein über die Klemmwirkung. Praktisch verdrängt haben es halterlose Strümpfe und die Strumpfhose; erhalten hat es sich als Brautstrumpfband, das bei der Hochzeit abgenommen und versteigert wird. Wer also „Strumpfband” bestellt, bekommt diesen Ring und keinen Gürtel.

Die zweite Unschärfe ist sprachlich und lässt sich nicht auflösen, nur benennen. Streng genommen sind Strapse die Haltebänder, nicht der Gürtel. Umgangssprachlich meint „Strapse” das ganze Kleidungsstück, und die Wörterbücher folgen dem: Das DWDS führt „Straps” als Damenstrumpfhalter, entlehnt Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem englischen Plural straps zu strap, „Riemen, Gurt, Band”. Wer präzise sein will, sagt Strumpfhaltergürtel oder Strapsgürtel für das Ganze.

Die dritte Verwechslung ist die praktisch folgenreichste, und die beiden Museumsstücke oben sind ihr bester Beleg. Ein Hüfthalter, ein Korselett oder eine Miederhose mit angebauten Strapsen hält Strümpfe ebenfalls — formt aber zusätzlich Taille und Hüfte. Ein Strapsgürtel tut das ausdrücklich nicht. Wer unter einem Bleistiftrock eine glatte Linie sucht, braucht das eine; wer nur Nahtstrümpfe halten will, das andere. Die Kleidungsstücke sehen im Katalogfoto ähnlich aus und leisten Verschiedenes.

Verwandt mit Strapsgürtel

Fehler melden oder etwas ergänzen