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V101-02 · Mode

Unterrock

Definition
Ein Unterrock ist ein einem Trägerkleid oder Rock ähnliches Wäschestück, das unmittelbar unter der Oberbekleidung getragen wird.
Kategorie
Mode
Englisch
Petticoat
Verwandte Begriffe
Petticoat, Reifrock
Ab
1500
Abgrenzung
Der Unterrock wird in der Vintage-Szene häufig mit dem Petticoat gleichgesetzt, hat aber die entgegengesetzte Aufgabe: Er soll nicht auffallen. Wärme, ein sauberer Sitz der Oberbekleidung, ein Rock, der über den Beinen gleitet statt zu haften, und keine durchscheinenden Konturen — Form gibt er nicht. Der Petticoat dagegen ist genau dafür gebaut und heißt im Englischen ausgerechnet ebenso, weshalb englischsprachige Quellen regelmäßig falsch übersetzt werden. Zweite Unschärfe: Unterrock bezeichnet beide Schnitte — den von der Schulter hängenden Trägerunterrock und den in der Taille ansetzenden Halbrock —, während Unterkleid nur den ersten und Halbrock nur den zweiten meint.

Ein Unterrock ist ein Wäschestück, das in der Form einem Trägerkleid oder einem Rock ähnelt und unmittelbar unter der Oberbekleidung getragen wird. Er ist damit der Oberbegriff zu einer ganzen Familie von Kleidungsstücken, zu der auch der Petticoat gehört — und zugleich dessen Gegenstück, weil er im Unterschied zu diesem keine Silhouette erzeugen soll. Das Wort deckt zwei Schnitte ab: den Trägerunterrock, der von der Schulter hängt, und den Halbrock ohne Oberteil, der in der Taille ansetzt.

Aufgabe eines Unterrocks

Ein Unterrock arbeitet an drei Stellen gleichzeitig. Er hält warm, wozu Material und Zahl der Lagen der Jahreszeit angepasst wurden. Er sorgt für den Sitz der Oberbekleidung. Und er ist blickdicht, damit sich die Konturen der darunterliegenden Wäsche nicht durch den Rock abzeichnen. Dazu kommt eine vierte Eigenschaft, die keine Absicht, sondern eine Materialfolge ist: Die glatte Oberfläche von Leinen, Seide oder Polyester lässt den Überrock über den Beinen gleiten, statt daran zu haften.

Wie einfach die Machart dabei sein kann, zeigen erhaltene Stücke. Ein Unterrock aus weißer Baumwolle und Spitze von etwa 1900 im Bestand von Schloß Wernigerode ist 88 Zentimeter lang, unter dem Bund gefältelt, hat einen seitlichen Schlitz und einen hoch eingeschlagenen Saum; abgeschlossen wird er von einer schmalen Spitzenborte mit gewelltem Rand. Verschlossen war er ursprünglich mit Metallhaken und -öse — die fehlen heute und haben Rostflecken hinterlassen. Ein zweites Stück, ein Damenunterrock des Deutschen Damast- und Frottiermuseums in Großschönau, ist mit 60 Zentimetern Länge deutlich kürzer, misst 40 Zentimeter an der Taille und 82 am Saum und wird schlicht mit einem Band zusammengebunden. Beide Male: Baumwolle, Spitze am unteren Rand, kein Volumen.

Geschichte des Unterrocks

In der Antike und im Mittelalter war der Unterrock wenig gebräuchlich; verbreitet ist er erst ab dem 16. Jahrhundert. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert trug er die Bezeichnung Cotillon, und Frauen der Oberschicht trugen mehrere übereinander — die Zahl war Statusanzeige. Im Winter des 17. Jahrhunderts sollen es bis zu zwölf gleichzeitig gewesen sein; Wikipedia nennt diese Zahl ohne Einzelbeleg.

Im Rokoko wurden seidene Unterröcke dekorativ ausgeführt, weil sie sichtbar wurden, sobald der Reifrock angehoben war — Unterwäsche mit Publikum. Ab 1820 setzte man Unterröcke an Mieder an, woraus einteilige Unterkleider entstanden; in derselben Zeit kam die Krinoline auf. Im Jugendstil kamen Rüschen und Stickereien dazu, für den Winter gesteppte Wollvarianten.

Der Weg ins 20. Jahrhundert lässt sich an der Sprache ablesen. Der Duden führt „zweites Kleid” als veraltet und „Jupe” als früheren Ausdruck. Wie selbstverständlich das Kleidungsstück in der Mitte des Jahrhunderts noch war, zeigt ein Beleg von 1956, den das DWDS zitiert: „Glockig geschnittenen Röcken gibt erst der entsprechend geschnittene Unterrock den richtigen Schwung.” Das ist genau die Funktion, die in derselben Zeit der Petticoat übernahm — nur dass dieser sie zum Selbstzweck machte. Wie präsent der Unterrock war, zeigt auch die übertragene Verwendung: „er läuft jedem Unterrock nach” setzt das Kleidungsstück für die Frau, und das DWDS verzeichnet die Wendung bis heute als abwertend.

Abgrenzung des Unterrocks

Die häufigste Verwechslung ist die mit dem Petticoat, und sie hat eine sprachliche Ursache: Das englische petticoat heißt schlicht Unterrock. Wer eine englischsprachige Quelle liest, findet dort also unter demselben Wort beides — das unauffällige Wäschestück und den versteiften Volumenrock der fünfziger Jahre. Im Deutschen sind es zwei Begriffe mit entgegengesetzter Absicht: Der Unterrock soll nicht zu sehen und nicht zu spüren sein, der Petticoat ist das formgebende Stück und darf im modernen Rockabilly-Look sogar hervorblitzen. Der Duden ordnet das Verhältnis, indem er den Petticoat als halben Unterrock führt: eine Bauform, nicht ein Synonym.

Die zweite Unschärfe liegt in den Nebenwörtern. Unterrock deckt beide Schnitte ab; Unterkleid meint nur die von der Schulter hängende Variante, Halbrock nur die in der Taille ansetzende. Der Duden führt beide als Synonyme des Oberbegriffs, was in einem Wörterbuch richtig, beim Einkauf aber irreführend ist — wer „Unterkleid” bestellt und einen Halbrock erwartet, bekommt ein Trägerkleid.

Kein Unterrock ist schließlich der Reifrock, auch wenn Wikipedia ihn als solchen definiert. Der Unterschied ist derselbe wie beim Petticoat, nur eine Stufe schärfer: Ein Reifrock erzwingt eine Form über ein Gestell aus Reifen. Ein Unterrock erzwingt gar nichts.

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