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V101-02 · Mode

Porkpie

Definition
Ein Porkpie ist ein Hut mit flachem, kreisrund eingedelltem Kopf und schmaler, leicht aufgebogener Krempe.
Kategorie
Mode
Deutsch
Porkpie-Hut
Englisch
Pork pie hat
Verwandte Begriffe
Creepers, Pomade
Abgrenzung
Porkpie, Trilby und Fedora werden im Handel und in der Szene ständig vertauscht, unterscheiden sich aber an einer einzigen, sofort sichtbaren Stelle: dem Kopf. Der Fedora hat einen Längskniff über die ganze Länge des Kopfes und vorn seitliche Eindellungen. Der Trilby ist eine Fedora-Variante mit schmalerer Krempe und niedrigerem Kopf, hinten scharf aufgebogen — aber ebenfalls mit Längskniff. Der Porkpie hat keinen Kniff, sondern einen flachen Kopf mit einer umlaufenden, kreisrunden Einbuchtung, im Deutschen "Ententeich" genannt. Wer im Hutgeschäft nach einem Porkpie fragt und einen Trilby bekommt, erkennt das an dieser Delle — oder an ihrem Fehlen.

Ein Porkpie ist ein runder Hut mit flachem Kopf, in den eine tellerartige Einbuchtung eingearbeitet ist — im Deutschen „Ententeich” genannt. Dazu kommen eine schmale, leicht aufgebogene Krempe mit geschnittenem Rand und ein einfarbiges Ripsband mit seitlicher Schleife. Der Name kommt von der Form: Der Kopf sieht aus wie eine englische Pork Pie, eine runde Schweinefleischpastete mit flachem Deckel.

Form eines Porkpies

Verarbeitet werden Stroh, Filz, Baumwolle, Leinen oder Seide. Die Bandbreite der Materialien entspricht der Bandbreite der Anlässe: Der Porkpie galt als elegant-legerer Herrenhut, der vom Sportdress bis zum Smoking getragen werden konnte.

Das Konstruktionsmerkmal, an dem alles hängt, ist der flache Kopf. Er wird nicht gekniffen, sondern eingedellt — eine umlaufende, kreisrunde Vertiefung, nicht eine Längsfurche. Daraus folgt die geringe Höhe, und daraus wiederum die Silhouette, die den Hut sofort erkennbar macht.

Geschichte des Porkpies

Der Porkpie entsteht in der Mitte des 19. Jahrhunderts, geht aber auf mittelalterliche Hutformen zurück. Die englischsprachige Wikipedia datiert genauer und ordnet anders zu: Dort erscheint er in den 1860er Jahren zunächst als Damenmode und wird erst danach Herrenkleidung; die frühen Modelle waren klein und wurden weit vorn auf dem Kopf getragen, weil die Frisuren der Zeit den Platz dahinter beanspruchten.

In den 1920er Jahren macht ihn Buster Keaton populär, indem er einen Fedora knapp oberhalb des Bandes flach drückte und sich so seine eigene Version baute. Während der Great Depression bekommt der Hut seine Snap-Krempe zurück und wird etwas höher.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geht die Verbreitung zurück, der Hut lebt aber in Jazz und Blues weiter. Sein bekanntester Träger dort ist der Saxofonist Lester Young; nach dessen Tod 1959 setzte ihm Charles Mingus mit einem Blues ein Denkmal. Weitere Träger reichen von Robert Oppenheimer über Gene Hackman in The French Connection (1971) und Robert De Niro in Mean Streets (1973) bis zu Bryan Cranstons Figur in Breaking Bad.

Porkpie in der Szene

Der Porkpie ist kein Rockabilly-Hut, und das ist keine Lücke, sondern seine Geschichte. Er gehört zu den Nachbarszenen: Bei den jamaikanischen Rude Boys der 1960er Jahre, bei den Ska-Musikern der 1970er und im britischen Two-Tone-Revival stand er für sozialen Status und Gruppenzugehörigkeit, und in den späten 1980er Jahren trugen ihn auch die antirassistischen Skinhead-Bewegungen in Deutschland. Wer ihn auf einem Weekender sieht, sieht in aller Regel diese Linie und nicht die des amerikanischen Fünfziger-Jahre-Rock-‘n’-Roll.

Die Gegenprobe sind die Creepers und die Pomade: Beide kamen über den Rock ‘n’ Roll in die Szene — die Schuhe über die britischen Teddy Boys, das Haarfett über den amerikanischen Rockabilly, in dem es sich laut Wikipedia vier Jahrzehnte lang als einziges hielt. Der Porkpie nahm den Weg über Jamaika und den Ska. Diese Linien treffen sich heute auf denselben Veranstaltungen und sind trotzdem auseinanderzuhalten.

Zurückgekehrt ist er zuletzt über die Popkultur — die Wikipedia nennt Brad Pitt, Sean Combs und Justin Timberlake als moderne Träger.

Abgrenzung des Porkpies

Die drei schmalkrempigen Herrenfilzhüte werden regelmäßig verwechselt, und die Unterscheidung braucht nur einen Blick von oben.

Der Fedora ist ein weicher Filzhut mit meist breiter Krempe, dessen Kopf über die ganze Länge gekniffen und vorn an beiden Seiten eingedrückt ist. Sein Name stammt aus Victorien Sardous Bühnenstück Fédora von 1882, in dem die Titelfigur einen solchen Hut trug.

Der Trilby ist eine Variante davon, in Großbritannien besonders verbreitet: schmalere Krempe, vorn abgewinkelt, hinten scharf aufgebogen, dazu ein etwas niedrigerer Kopf. Auch er hat den Längskniff. Seinen Namen verdankt er George du Mauriers Roman von 1894 beziehungsweise dessen Londoner Bühnenfassung.

Der Porkpie hat keinen Kniff. Sein Kopf ist flach mit einer kreisrunden Einbuchtung, und daran ist er von den anderen beiden ohne Weiteres zu unterscheiden. Ein zusätzlicher Anhaltspunkt liegt im Rand: Beim Porkpie ist die Krempe geschnitten, nicht eingefasst.

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