Termin melden

V101-05 · Frisur

Pomade

Definition
Pomade ist eine fetthaltige, salbenähnliche Substanz zur Haarpflege, die das Haar glänzend und formbar festigt, ohne auszuhärten.
Kategorie
Frisuren
Verwandte Begriffe
Creepers, Porkpie
Ab
1700
Abgrenzung
Pomade und Haargel werden im Drogeriemarkt nebeneinander verkauft und leisten Gegensätzliches. Gel arbeitet mit Gelbildnern und Polymeren, die sich als Film um das Haar legen und aushärten; die Frisur steht danach fest und bricht, wenn man sie anfasst. Pomade ist eine Fettsalbe, härtet nicht aus und lässt sich den ganzen Tag nachformen — genau das braucht eine Tolle, die abends noch sitzen soll. Die zweite, praktisch folgenreichste Unterscheidung liegt innerhalb der Pomaden selbst: ölbasierte Pomaden halten länger und glänzen stärker, gehen aber schwer aus dem Haar; wasserbasierte lassen sich einfach auswaschen. Wer eine ölbasierte Pomade wie ein Gel behandelt und abends mit Shampoo danebensteht, hat das falsche Produkt gekauft, nicht falsch frisiert.

Pomade ist eine fetthaltige, salbenähnliche Substanz zur Haarpflege, die besonders zur Festigung des Haars verwendet wird. Für die Vintage- und Rockabilly-Szene ist sie das Werkzeug, ohne das die Tolle nicht funktioniert — und zugleich das einzige Produkt dieser Reihe, dessen Nachschlagewerke die Szene selbst als Grund für sein Überleben nennen.

Der Name Pomade

Das Wort führt über einen Umweg zum Apfel. Die italienische Form pomata ist um 1600 belegt und geht auf pomo, Apfel, zurück, dieses auf lateinisch pōmum, Baumfrucht. Im 17. Jahrhundert setzte sich die französische Form pommade durch, aus der das deutsche Wort stammt. Der Grund für die Benennung steckt in der ursprünglichen Rezeptur: Schweineschmalz, versetzt mit Apfelessenz und Rosenwasser.

Bemerkenswert ist, wie die Wörterbücher das Wort heute einordnen. Das DWDS führt als Bedeutung „wohlriechende Fettsalbe für kosmetische Zwecke, besonders zur Haarpflege”. Der Duden markiert es als „veraltend” — was im Widerspruch zu der Renaissance steht, die dasselbe Produkt seit den 2010er Jahren erlebt. Beides steht so in den Quellen, und der Widerspruch gehört zum Bild.

Zusammensetzung von Pomade

Klassische Haarpomade enthält Vaseline, Mineralöle, Bienenwachs, Kokosöl, Olivenöl und Lanolin. Aus dieser Zusammensetzung folgt alles Weitere: Sie härtet nicht aus, sie glänzt, und sie geht nicht ohne Weiteres aus dem Haar.

Genau am letzten Punkt setzen die moderneren Varianten an. Wasserbasierte Pomaden sind leichter auszuwaschen, und aktuelle Rezepturen gehen in Richtung veganer Formulierungen mit Pflanzenölen wie Jojoba- und Rizinusöl, ergänzt um die Vitamine D und E. Die Unterscheidung ölbasiert gegen wasserbasiert ist damit keine Feinheit für Kenner, sondern die Entscheidung, die beim Kauf tatsächlich zu treffen ist.

Geschichte der Pomade

Als aristokratisches Kosmetikprodukt ist Pomade im 18. Jahrhundert dokumentiert. In den 1920er und 1930er Jahren verbreitete sie sich in der afroamerikanischen Bevölkerung zum Stylen kräftigen Haars.

Ihren Höhepunkt hatte sie in den 1950er Jahren, und zwar über zwei Gesichter: Rudolph Valentinos glänzendes Haar prägte das Bild zuerst, Elvis Presleys Pompadour und Ducktail machten es zum Massenphänomen. Beide Frisuren sind ohne ein Produkt, das formbar bleibt, nicht zu bauen.

Zwischen den 1960er und den 2000er Jahren geriet Pomade in Deutschland weitgehend in Vergessenheit. Seit 2010 gibt es eine Renaissance als Nischenprodukt, getragen von der wieder aufkommenden Barbershop-Kultur; verwendet wird sie inzwischen geschlechtsübergreifend.

Pomade in der Szene

Pomade ist im Register dieser Begriffe der Sonderfall: Petticoat, Korsett und Creepers sind Gegenstände, die man aufbewahrt, weitergibt und im Museum wiederfindet — Pomade ist ein Verbrauchsgut. Eine Szene hält sie nicht am Leben, indem sie sie sammelt, sondern indem sie sie nachkauft, und genau das lässt sich belegen. Der Satz, der diesen Eintrag von den übrigen dieser Reihe unterscheidet, steht in der Wikipedia selbst: Zwischen den 1960er und 2000er Jahren war Pomade in Deutschland vergessen — mit Ausnahme der Rockabilly-Szene. Sie ist damit kein Gegenstand, den die Szene sich später angeeignet hat, sondern einer, den sie über vier Jahrzehnte am Leben gehalten hat, während der Rest des Marktes zu Gel überging.

Sichtbar wird das an der britischen Seite derselben Jahre. Die Teddy Boys trugen zu ihren Drapes, Röhrenhosen und Creepers langes, gefettetes Haar, vorn zur Tolle geformt und hinten zum Ducktail gekämmt — die Frisur war Teil der Uniform, nicht ihr Zubehör, und ohne ein Produkt, das formbar bleibt, ist sie nicht zu bauen. Die deutsche Wikipedia nennt sie „Elvis-Tolle”; nach der englischen Wikipedia übernahmen die Teds Rock ‘n’ Roll aber erst ab 1955, die ersten von ihnen trugen die Tolle also schon vor Elvis.

Die Renaissance seit 2010 läuft über die Barbershops, und damit über dieselben Betriebe, die auch Pompadour und Ducktail wieder anbieten. Für den Aufbau einer Frisur heißt das praktisch: Die Wahl zwischen ölbasiert und wasserbasiert entscheidet über Halt, Glanz und Waschbarkeit — und wer eine Tolle möchte, die einen Weekender übersteht, wählt anders als jemand, der abends duschen will.

Abgrenzung der Pomade

Die häufigste Verwechslung ist die mit Haargel, und sie ist eine Verwechslung von Wirkprinzipien. Haargel enthält Wasser, Ethanol, Gelbildner, Polymere, Glycerin sowie Duft- und Farbstoffe; Gelbildner und Polymere legen sich wie ein Film um das Haar und festigen es. Die Frisur steht danach — und lässt sich nicht mehr korrigieren, ohne dass der Film bricht. Pomade festigt dagegen als Fettsalbe: Das Haar bleibt beweglich und lässt sich nachformen. Für eine Tolle, die im Lauf eines Abends mehrfach in Form gebracht wird, ist das der ganze Unterschied.

Die zweite Unterscheidung ist die innerhalb der Pomaden. Ölbasierte Ausführungen mit Vaseline, Mineralölen und Wachsen halten lange und glänzen stark, gehen aber schwer aus dem Haar; wasserbasierte sind ausdrücklich leichter auswaschbar. Wer das nicht weiß, kauft nach Glanz und wundert sich beim Waschen.

Verwandt mit Pomade

Fehler melden oder etwas ergänzen