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V101-02 · Mode

Creepers

Definition
Creepers sind flache Lederschuhe mit besonders dicker, weicher Kreppsohle, die in den 1950er Jahren zum Erkennungszeichen der Teddy Boys wurden.
Kategorie
Mode
Deutsch
Leisetreter
Englisch
Brothel creeper
Verwandte Begriffe
Porkpie, Pomade
Ab
1949
Herkunftsland
Vereinigtes Königreich
Abgrenzung
Creepers werden oft für Plateauschuhe gehalten, weil die Sohle hoch ist. Die deutsche Wikipedia führt sie aber als flache Lederschuhe: Ihr Merkmal ist die weiche, gerillte Kreppsohle, nicht die Erhöhung. Am Material allein lässt sich der Unterschied nicht festmachen — Krepp und Gummi nennt die englische Wikipedia auch für Plateausohlen. Die weiche Sohle erklärt den Namen Leisetreter. Zweite Verwechslung, und die häufigere in der Szene: Creepers sind nicht der Rockabilly-Schuh schlechthin, sondern der Schuh der britischen Teddy Boys. Der amerikanische Rock 'n' Roll derselben Jahre trug anderes Schuhwerk. Beides gehört zur Szene, aber es sind zwei Linien, und wer sie gleichsetzt, verliert genau die Unterscheidung, an der man einen durchdachten Ted-Look von einem beliebigen Fünfziger-Look erkennt.

Creepers sind flache Lederschuhe mit besonders dicken, weichen Kreppsohlen. Die Sohle ist in der Regel bis zu fünf Zentimeter dick, durchgängig gestreift und hat senkrecht verlaufende Riefen — sie ist das Kleidungsstück, nicht der Schaft. Für die Vintage-Szene sind Creepers das Schuhwerk der britischen Teddy Boys und damit einer der wenigen Gegenstände, an denen sich diese Linie sofort von der amerikanischen unterscheiden lässt.

Aufbau von Creepers

Creepers sind entweder geschnürt oder mit einer einzelnen Schnalle geschlossen. Das Oberleder ist überwiegend Rauleder — gebürstetes Kalbsleder, englisch suede —, was den Schuh recht schmutzempfindlich macht. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern der Preis der Optik: Die matte Oberfläche des Wildleders steht im Kontrast zur voluminösen, hellen Sohle.

Die Sohle ist der eigentliche Unterschied zu allem anderen. Krepp ist Naturkautschuk und bleibt weich; er federt beim Auftreten, statt zu klacken. Genau daher kommt die deutsche Übersetzung, die die Wikipedia für den Namen angibt: Leisetreter.

Woher der Name Creepers kommt

Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt, und die Quellen bieten drei Erklärungen an, ohne sich festzulegen. Die deutsche Wikipedia übersetzt creeper schlicht als Leisetreter, was zur weichen Sohle passt. Die englischsprachige Wikipedia nennt zwei andere Spuren: die Vermutung des Smithsonian, das Wort komme vom crêpe der Sohle selbst, und einen Tanzschlager von 1953 mit dem Titel „The Creep”. Der volle Name Brothel Creepers — wörtlich etwa „Bordellschleicher” — ist der ältere und derbere; im heutigen Handel steht meist nur noch Creepers.

Geschichte der Creepers

Der Ursprung liegt im Zweiten Weltkrieg. Soldaten kehrten aus Nordafrika mit Wildlederstiefeln nach London zurück, die ägyptische und burmesische Schuhmacher mit einer dicken Gummisohle gefertigt hatten — Schuhwerk für Sand, nicht für die Stadt.

Kommerziell wurde daraus ein Produkt im Jahr 1949: George Cox Limited aus Wellingborough in Northamptonshire brachte den dicksohligen Schuh als erste Firma auf den Markt und vertrieb ihn unter dem Namen „Hamilton”. Die ersten Ausführungen kamen in verschiedenen Blautönen, später folgten aufwendigere Muster.

In den 1970er Jahren wurden Creepers in London im Laden „Let it Rock” von Malcolm McLaren verkauft — der Weg vom Ted-Schuh zum Punk-Schuh führte über diese Adresse. Getragen wurden sie danach ebenso in Ska, Punk, Goth und Psychobilly. Seit den 2010er Jahren gibt es einen breiten Wiederaufstieg; 2015 brachten Puma und Rihanna eine gemeinsame Linie heraus, die 2016 als Schuh des Jahres ausgezeichnet wurde.

Creepers in der Szene

Ihren Höhepunkt hatten Creepers bei den Teds der 1950er und frühen 1960er Jahre; in den fünfziger Jahren waren sie laut Wikipedia auch bei Rockabilly-Kids beliebt. Die Teddy Boys entstanden im England der frühen 1950er als Jugendprotest, der sich ausgerechnet über vornehme Kleidung abgrenzte: fast knielange Anzugjacketts mit breitem Revers und farbig abgesetzten Applikationen — die Drapes —, dazu enge Röhrenhosen, langes, mit Pomade geformtes Haar und eben Schuhe mit hohen Kreppsohlen. Die deutsche Wikipedia nennt die Frisur „Elvis-Tolle”; die englische beschreibt sie als Tolle vorn und Ducktail hinten und hält fest, dass die Teds Rock ‘n’ Roll erst ab 1955 übernahmen — die ersten von ihnen frisierten sich also vor Elvis. Der Name Teddy Boy geht auf die Zeit Eduards VII. zurück, als ähnlich lange Jacketts in Mode waren.

Über dieselbe britische Linie kam ein zweites Stück in die Szene, das oft danebensteht und doch anders zu verorten ist: der Porkpie. Er gehört nicht zu den Teds, sondern zu den jamaikanischen Rude Boys und zum Ska — zwei Wege nach Großbritannien, die im heutigen Weekender-Publikum nebeneinander sichtbar sind.

Rock ‘n’ Roll wurde für die Teds ab 1955 identitätsstiftend; vorher hörten sie nach der englischen Wikipedia Jump Blues, R&B, Jazz und Skiffle. In den 1970er Jahren lebte die Bewegung wieder auf, getragen von britischen Bands wie Crazy Cavan, Matchbox und den Flying Saucers. Die deutsche Wikipedia zählt auch die Stray Cats dazu; die Band wurde laut englischer Wikipedia aber erst 1979 in New York gegründet, und Vintage Rock zitiert einen Musiker, dem Teds in Dublin die Stray-Cats-Aufnäher von der Jacke rissen, weil die Band für sie Punk war. Ausführlich steht das unter Teddy Boy. Damit sind Creepers für die heutige Szene doppelt anschlussfähig: über die Teds selbst und über das Psychobilly-Revival, das dieselbe Silhouette weiterführte.

Abgrenzung der Creepers

Der häufigste Irrtum ist, Creepers für Plateauschuhe zu halten. Optisch liegt das nahe. Die deutsche Wikipedia beschreibt Creepers aber als flache Lederschuhe; was sie ausmacht, ist die dicke, weiche Kreppsohle mit senkrechten Riefen, in der Regel bis zu fünf Zentimeter stark. Das Material allein trennt die beiden nicht: Krepp und Gummi nennt die englische Wikipedia auch unter den Materialien der Plateausohle. Was bleibt, ist die Weichheit der Kreppsohle, und von ihr kommt der Name: Creepers sind Leisetreter.

Der zweite Irrtum ist in der Szene folgenreicher. Creepers gelten oft pauschal als der Rockabilly-Schuh. Die Quellen ordnen sie aber durchgehend den britischen Teddy Boys zu — sie sind ein englisches Kleidungsstück mit englischer Herstellungsgeschichte, das von der amerikanischen Rock-‘n’-Roll-Mode derselben Jahre zu unterscheiden ist. Wer einen Ted-Look aufbaut, kommt an ihnen nicht vorbei; wer einen amerikanischen Fünfziger-Look sucht, sollte wissen, dass er sich damit für die britische Linie entscheidet.

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