Flat Top
- Definition
- Ein Flat Top ist ein kurzer Haarschnitt, bei dem das aufrecht stehende Deckhaar so geschnitten wird, dass es oben eine flache, ebene Fläche bildet.
- Kategorie
- Frisuren
- Englisch
- Flattop
- Verwandte Begriffe
- Ducktail, Pompadour, Pomade, Teddy Boy, Neo-Rockabilly, Psychobilly
- Abgrenzung
- Flat Top, Crew Cut und Bürstenschnitt werden im Deutschen oft für dasselbe gehalten, und die deutsche Wikipedia leitet "Bürstenschnitt" sogar auf "Flattop" weiter. Englische Wikipedia und Merriam-Webster ordnen anders: Der Crew Cut ist der Oberbegriff für den kurzen Schnitt mit aufrechtem Deckhaar, der Flat Top die Spielart, deren Oberseite als ebene Fläche geschnitten ist. Der Bürstenschnitt ist nach dem Duden ein kurzer Schnitt, bei dem das obere Haar wie bei einer Bürste nach oben steht — von einer flachen Oberseite ist dort nicht die Rede. Jeder Flat Top ist also ein Bürstenschnitt, aber nicht jeder Bürstenschnitt ein Flat Top. Vorsicht auch bei "Flat": Im Psychobilly ist es die Kurzform für den Flat Top, in der deutschen Wikipedia steht dasselbe Wort für einen Boxerhaarschnitt mit etwas längerem Deckhaar.
Ein Flat Top ist ein kurzer Männerhaarschnitt, bei dem das aufrecht stehende Deckhaar so geschnitten wird, dass es oben eine flache, ebene Fläche bildet, während Seiten und Hinterkopf sehr kurz sind. Er gilt als Spielart des Crew Cut und wurde in der britischen Rockabilly-Szene Ende der 1970er Jahre zur Frisur der jüngeren Generation, im Unterschied zur Tolle der Teddy Boys. Im Deutschen wird er oft mit dem Bürstenschnitt gleichgesetzt; was ihn davon unterscheidet, ist die ebene Oberseite.
Der Name Flat Top
Der Name ist englisch und beschreibt die Form: flach (flat) oben (top). Die Wörterbücher schreiben ihn meist in einem Wort, Flattop; im Psychobilly heißt er laut der deutschen Wikipedia oft nur „Flat”. Merriam-Webster führt „flattop” als Oberbegriff für alles mit flacher Oberseite und nennt als zwei Bedeutungen den Flugzeugträger und einen abgewandelten Crew Cut. Die Verwandtschaft ist bis in den Friseurjargon sichtbar: Wo bei einem Flat Top die Kopfhaut durch das Deckhaar schimmert, sprechen Friseure laut der englischen Wikipedia von der „Landebahn”, nach dem Deck des Flugzeugträgers.
Wie ein Flat Top geschnitten wird
Beim klassischen Flat Top, wie ihn die englische Wikipedia beschreibt, wird das Deckhaar aufrecht gestellt und von vorn nach hinten flach geschnitten, bevor es über dem Hinterkopf abrundet. Am höchsten Punkt des Kopfes ist es am kürzesten, etwa ein Viertelzoll, vorn je nach Kopfform etwa drei Viertel bis eineinviertel Zoll. Seiten und Hinterkopf werden ebenfalls auf etwa einen Viertelzoll geschnitten und gehen in das aufrechte Deckhaar über. Geschnitten wird überwiegend mit der Haarschneidemaschine über dem Kamm. Weil die präzise Form schnell herauswächst, ist alle zwei bis drei Wochen ein Nachschnitt fällig.
Bei den Seiten widersprechen sich die Quellen. Die deutsche Wikipedia schreibt, beim Flattop würden die Haare an den Seiten und am Hinterkopf ausrasiert. Die englische Wikipedia beschreibt dagegen den kurzen Übergang als Regel und das Rasieren bis auf die Haut nur bei Spielarten: beim „Horseshoe Flattop”, den Soldaten der US-Streitkräfte tragen, und bei Fassungen aus Gegenkulturen.
Gehalten wird das Deckhaar mit Wachspomade — in den 1950er Jahren „Butch Wax” genannt —, Haarspray, Gel oder Creme, je nach Haarstruktur. Manche Haare stehen auch ohne Mittel.
Geschichte des Flat Top
Die englische Wikipedia nennt den Flat Top im frühen und mittleren 20. Jahrhundert beliebt, ein Jahr nennt sie nicht. Seine Geschichte ist die des Crew Cut, dessen Spielart er ist: Crew Cut und Flat Top hießen im Englischen früher „pompadour“, „short pompadour” oder „brush cut”. Der Name „crew cut” geht nach der englischen Wikipedia auf die Ruderteams amerikanischer Universitäten zurück, deren Mitglieder das Haar kurz trugen, damit es ihnen beim Rudern nicht ins Gesicht wehte. In den 1920er und 1930er Jahren war der Crew Cut unter Studenten verbreitet, im Zweiten Weltkrieg bekamen ihn die Rekruten. Mit der Langhaarmode ab Mitte der 1960er Jahre verlor er an Beliebtheit; Ende der 1970er Jahre kam er zurück, und in den 1980er Jahren war der Flat Top die beliebteste Form des Crew Cut.
Im Deutschen war die Frisur nach der deutschen Wikipedia schon gängig, bevor sie den englischen Namen bekam; als bekannten Träger nennt sie Paul von Hindenburg. Der Artikel „Frisur” ergänzt, dass der Bürstenschnitt in Deutschland schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein Haarschnitt für Soldaten war. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre machten Rapper und das Duo Kid ’n Play den Flat Top im Hip-Hop bekannt.
Der Flat Top in der Szene
In der britischen Rockabilly-Szene war der Flat Top das Zeichen eines Generationswechsels. Vintage Rock zitiert einen DJ, der Ende der 1970er Jahre einen Jugendclub in Uxbridge betrieb: In einer Dokumentation von 1978 sehe man noch die Tollen der Teddy Boys, daneben junge Leute mit Flat Top. Die Jüngeren hielten sich an Fotos amerikanischer Rockabilly-Musiker wie Mac Curtis und Charlie Feathers mit „Army-style flat top”. Ein Friseur in Harrow hängte bald vergrößerte Fotos ins Fenster, mit dem Schild „get your flat top haircut here”. Aus dieser Generation ging der Neo-Rockabilly hervor.
Im Psychobilly ist der Flat Top nach der deutschen Wikipedia das auffälligste Merkmal: Seiten und meist auch Hinterkopf sind abrasiert, das Deckhaar steigt von hinten nach vorn flach an und wird mit Haarspray und Wachs oft zu einer großen Tolle nach oben und vorn gestylt. Häufig ist er dort so schmal rasiert, dass er einem Irokesenschnitt ähnelt.
Mit dem Ducktail lässt er sich verbinden. Die englische Wikipedia nennt den „Flat-Top Boogie” oder „Flat-Top with Fenders”: oben ein Flat Top, an den Seiten lang gelassenes Haar, das zum Ducktail nach hinten gekämmt wird; beim „Detroit” sind Seiten und Hinterkopf lang und der Oberkopf ist flach geschnitten.
Abgrenzung des Flat Top
Am häufigsten wird der Flat Top mit Crew Cut und Bürstenschnitt verwechselt, und die Quellen sind sich über das Verhältnis nicht einig. Die deutsche Wikipedia nennt den Flattop eine Bürstenfrisur und leitet „Bürstenschnitt” direkt auf den Flattop-Artikel weiter — für sie ist es dasselbe. Englische Wikipedia und Merriam-Webster ordnen anders: Der Crew Cut ist ein kurzer Schnitt mit aufrechtem Deckhaar, das von der Stirn zum Wirbel kürzer wird, sodass die Kontur von der Seite fast waagerecht erscheint. Wird das Deckhaar so geschnitten, dass es auch von vorn als ebene Fläche erscheint, heißt er Flat Top Crew Cut oder Flat Top. Merriam-Webster nennt den Flat Top schlicht einen abgewandelten Crew Cut.
Der deutsche Name des Crew Cut ist laut der englischen Wikipedia Bürstenschnitt. Der Duden beschreibt den Bürstenschnitt als kurzen Haarschnitt, bei dem das obere Haar wie bei einer Bürste nach oben steht; von einer ebenen Oberseite ist nicht die Rede. Daraus ergibt sich die Ordnung, die in der Praxis trägt: Jeder Flat Top ist ein Bürstenschnitt, aber nicht jeder Bürstenschnitt ein Flat Top.
Das Wort „Flat” ist eine zweite Falle. Im Psychobilly ist es die Kurzform für den Flat Top. Im Artikel „Frisur” der deutschen Wikipedia steht „Flat” dagegen für einen Schnitt mit sehr kurzen Seiten und etwas längerem Deckhaar, auch Boxerhaarschnitt genannt — von einer ebenen Fläche ist dort keine Rede.
