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V101-05 · Frisur

Pompadour

Definition
Ein Pompadour ist eine Frisur, bei der das Haar über der Stirn mit viel Volumen hoch und nach hinten gekämmt wird.
Kategorie
Frisuren
Abgrenzung
Pompadour, Tolle und Quiff werden ständig gleichgesetzt, und die Quellen helfen dabei mit: Die deutsche Wikipedia sagt, die Tolle werde auch "pompadour" genannt. Die Wörterbücher beschreiben aber verschiedene Dinge. Der Pompadour ist das ganze, hoch und nach hinten gekämmte Volumen über der Stirn. Die Tolle ist im DWDS ein welliges Haarbüschel, das in die Stirn hängt, also eher das Gegenteil; Quiff ist im Merriam-Webster eine auffällige Stirnlocke. Der Ducktail ist keine Spielart des Pompadours, sondern die Frisur am Hinterkopf, mit der er oft kombiniert wird. Und im Deutschen ist ein Pompadour in Duden und DWDS gar keine Frisur, sondern eine beutelförmige Damenhandtasche.

Ein Pompadour ist eine Frisur, bei der das Haar über der Stirn mit viel Volumen hoch und nach hinten gekämmt wird. In der Rockabilly-Szene meint der Begriff die Männerfrisur der 1950er Jahre, die Elvis Presley, Johnny Cash und James Dean trugen und die mit Pomade oder Brylcreem in Form gehalten wird; als Damenfrisur ist die Form mehrere Jahrhunderte älter. Im Deutschen ist der Name doppelt besetzt: Duden und DWDS kennen den Pompadour nur als Handtasche.

Was der Name Pompadour bedeutet

Benannt ist die Frisur nach Madame de Pompadour (1721–1764), der Mätresse König Ludwigs XV. von Frankreich. Darüber, was sie mit der Frisur zu tun hat, sind sich die Quellen nicht einig. Die deutsche Wikipedia nennt sie im Artikel „Haartolle” eine der frühesten belegten Trägerinnen, weshalb die Frisur auch „à la Pompadour” heiße. Die englische Wikipedia sagt das Gegenteil: Madame de Pompadour habe ihr Haar flach nach hinten getragen, ohne Volumen am Oberkopf, und die Frisur habe mit ihrer nichts gemein.

Auch wann der Name aufkam, ist strittig. Nach der englischen Wikipedia wurde er im 20. Jahrhundert geprägt. Merriam-Webster führt dagegen als frühesten bekannten Beleg das Jahr 1872, und zwar für die Damenfrisur, bei der das Haar in einer lockeren, vollen Rolle um das Gesicht gelegt wird. Gesichert ist nur, dass der Name auf Madame de Pompadour zurückgeht — nicht, dass sie die Frisur trug, und nicht, wann er vergeben wurde.

Im Deutschen ist ein Pompadour zuerst etwas anderes. Duden und DWDS verzeichnen das Wort als beutelförmige Damenhandtasche aus weichem Material, ebenfalls nach Madame de Pompadour benannt; der Duden markiert es als veraltet, das DWDS als veraltend. Die Belege im DWDS stammen aus Texten von 1901 bis 1921, darunter Thomas Manns „Buddenbrooks”. Eine Frisur namens Pompadour kennen beide Wörterbücher nicht.

Wie ein Pompadour aussieht

Das Grundprinzip ist Höhe über der Stirn: Das Haar wird vom Gesicht weg nach oben gekämmt und hoch über der Stirn getragen, manchmal auch an den Seiten und am Hinterkopf nach oben genommen. Merriam-Webster unterscheidet zwei Formen. Beim Herrenpompadour wird das Haar vorn zu einem hohen Wulst gekämmt; beim Damenpompadour wird es in einer lockeren, vollen Rolle um das Gesicht gelegt. Für die Damenfrisur wurde das eigene Haar früher oft über eine Rolle aus falschem Haar gekämmt.

Die Männerfrisur der 1950er Jahre beschreibt die englische Wikipedia als hohen, gefetteten Quiff-Pompadour oder glatt nach hinten gelegtes Haar, gehalten mit viel Brylcreem oder Pomade. Das Produkt ist dabei kein Detail: Eine Frisur mit so viel Höhe hält nur mit einem Mittel, das formbar bleibt.

Geschichte des Pompadours

Die Idee, dem Haar über der Stirn Höhe zu geben, stammt laut der englischen Wikipedia aus der Damenmode des französischen Hofes. Ab 1680 trugen die Damen unter Ludwig XIV. die Fontange, eine Frisur mit senkrechtem Volumen; unter Ludwig XVI. kamen in den 1770er und 1780er Jahren noch höhere Frisuren in Mode. In den 1890er Jahren kehrte die Form mit dem Gibson Girl zurück und hielt sich bis zum Ersten Weltkrieg; in den 1940er Jahren trugen Frauen sie erneut.

Die Männerfrisur kam in den 1950er und frühen 1960er Jahren auf. Die englische Wikipedia nennt als Träger Elvis Presley, Johnny Cash, Chuck Berry, Ritchie Valens, James Dean, Tony Curtis und Little Richard. In den USA war sie von den 1930er bis in die 1960er Jahre auch bei Chicanos, Kubano- und Puerto-Rico-Amerikanern verbreitet. Mitte der 2000er Jahre erlebte die Frisur eine Renaissance, seit 2011 gibt es eine moderne Fassung.

Ein Seitenweg zeigt, wie weit das Wort reichte: Im Englischen hießen der Crew Cut und der Flat Top früher ebenfalls „pompadour” oder „short pompadour”. Beim Crew Cut heißt der etwas längere Ansatz über der Stirn bis heute „pomp”.

Der Pompadour in der Szene

Die Frage, wie die Rockabilly-Frisur heißt, beantworten die Quellen mit diesem Wort. Nach der englischen Wikipedia war der Pompadour in den 1950er Jahren vor allem bei männlichen Rockabilly-Musikern und Schauspielern Mode, und in den 1980er Jahren verband er sich mit der Rockabilly-Kultur und allem, was zur Vintage-Kultur der späten 1950er gehörte: Hot Rods, Greaser, Teddy Boys, Rockabilly-Bands und Elvis-Imitatoren.

Bei Elvis Presley gehen die Bezeichnungen auseinander. Die englische Wikipedia spricht vom hohen Quiff-Pompadour, die deutsche nennt im Artikel zur Haartolle die Tolle und im Artikel zur Pomade den „Ducktail (Entenschwanz) oder Pompadour” von Elvis. Gemeint ist in allen drei Fällen die Kombination aus hochgekämmter Stirnpartie und nach hinten gelegten Seiten.

Die britischen Teddy Boys trugen in den 1950er Jahren eine gefettete Tolle vorn und einen Ducktail hinten; ausgeprägte Pompadours mit langen Koteletten, gehalten mit Haarspray und Pomade, nennt die englische Wikipedia erst für die Teds der 1970er Jahre. Im Psychobilly wird der Pompadour leicht abgewandelt zum Quiff, und der „Psychobilly Wedge” verbindet ihn mit rasierten Seiten.

Abgrenzung des Pompadours

Pompadour und Tolle werden im Deutschen meist gleichgesetzt, und die deutsche Wikipedia tut es ausdrücklich: Im Artikel „Frisur” heißt es, die Tolle werde auch als „pompadour” bezeichnet. Die Wörterbücher beschreiben die Tolle aber anders. Das DWDS definiert sie als umgangssprachlich für ein welliges Haarbüschel, das in die Stirn hängt — also eher das Gegenteil eines hochgekämmten Volumens. Der Duden erklärt sie knapp als Haartolle. Die beiden Wörter überschneiden sich also, sind aber nicht deckungsgleich: Pompadour benennt die ganze, nach oben und hinten gekämmte Form, Tolle zuerst einmal den Schopf.

Der Quiff ist laut Merriam-Webster eine auffällige Stirnlocke, kein Name für die ganze Frisur. Die englische Wikipedia beschreibt ihn als Abwandlung des Pompadours im Psychobilly und als vordere Partie der Teddy-Boy-Frisur.

Der Ducktail ist kein anderer Name für den Pompadour. Die englische Wikipedia führt ihn zwar als dessen Variante, und die deutsche schreibt „Ducktail (Entenschwanz) oder Pompadour”, als wäre es dasselbe; der Artikel zum Ducktail selbst beschreibt aber eine Frisur des Hinterkopfs, bei der die Seiten nach hinten gekämmt werden und in einer Kante zusammenlaufen. Pompadour vorn und Ducktail hinten ergeben zusammen die Frisur, die man heute mit Elvis verbindet.

Und schließlich die Tasche: Wer im Deutschen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts „Pompadour” schrieb, meinte laut Duden und DWDS eine beutelförmige Damenhandtasche, keine Frisur.

Häufige Fragen

Was heißt Pompadour?

Der Name geht auf Madame de Pompadour zurück, die Mätresse Ludwigs XV. von Frankreich (1721–1764). Ob sie die Frisur selbst trug, ist strittig; die englische Wikipedia verneint es. Im Deutschen bezeichnet Pompadour laut Duden und DWDS außerdem eine veraltete, beutelförmige Damenhandtasche.

Wie sieht ein Pompadour aus?

Das Haar wird von der Stirn aus nach oben und hinten gekämmt, sodass über der Stirn ein hoher Wulst entsteht. Bei der Männerfrisur der 1950er Jahre sind die Seiten glatt nach hinten gelegt, und das Ganze wird mit Pomade oder Brylcreem gehalten.

Wie nennt man die Frisur von Elvis?

Je nach Quelle Pompadour, Tolle oder Ducktail. Die englische Wikipedia spricht von einem hohen, gefetteten Quiff-Pompadour, die deutsche nennt in einem Artikel die Haartolle, in einem anderen Ducktail und Pompadour. Gemeint ist meist dieselbe Kombination: vorn hochgekämmtes Volumen, an den Seiten nach hinten gelegt.

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