Doo Wop
- Definition
- Doo Wop ist ein Vokalstil des Rhythm and Blues, der auf mehrstimmigem Gruppengesang mit Leadstimme, tiefer Bassstimme und Falsett beruht.
- Kategorie
- Genres
- Englisch
- Doo-wop
- Verwandte Begriffe
- Jump Blues, Rockabilly
- Ab
- 1948
- Bis
- 1964
- Herkunftsland
- USA
- Abgrenzung
- Doo Wop ist kein Instrumentalstil und lässt sich deshalb nicht an der Besetzung erkennen, sondern am Satz: Die Stimmen übernehmen, was sonst Instrumente tun. Zweite und wichtigere Verwechslung: Der Name ist jünger als die Musik. Was heute Doo Wop heißt, lief zur Entstehungszeit als Rhythm and Blues oder als Rock'n'Roll — wer nach zeitgenössischen Belegen für das Wort sucht, sucht vergeblich, und wer die Musik unter dem heutigen Namen im Jahr 1955 vermutet, datiert den Begriff falsch.
Doo Wop ist ein Vokalstil des Rhythm and Blues, der auf mehrstimmigem Gruppengesang beruht und mit wenig oder gar keiner Instrumentierung auskommt. Er entstand Ende der 1940er Jahre in afroamerikanischen Stadtvierteln der USA und bestimmte einen erheblichen Teil der amerikanischen Charts der 1950er Jahre. Sein Name kam erst auf, als die Musik ihren Höhepunkt bereits hinter sich hatte.
Merkmale von Doo Wop
Der Satz trägt alles. Über einer Leadstimme liegen Begleitstimmen, die den gesamten Umfang von der Bassstimme bis zum Falsett ausschöpfen; die englische Wikipedia beschreibt es als wortlose Lautmalerei, die Instrumente nachahmt. Genau daher kommt der Name: aus Silbenfolgen wie „doo-wop” oder „du-wah”, die keine Bedeutung tragen, sondern eine Bassfigur oder einen Bläsersatz ersetzen. Der Rhythmus ist einfach, die Begleitung sparsam bis nicht vorhanden.
Entstehung von Doo Wop
Die deutsche Wikipedia datiert die Geburt des Genres auf 1948 und eine Balladenaufnahme der Orioles. Die englische spricht allgemeiner von den späten 1940er Jahren und nennt als Entstehungsorte afroamerikanische Gemeinden in New York, Philadelphia, Pittsburgh, Chicago, Baltimore, Newark, Detroit, Washington und Los Angeles. Musikalisch stützt sich der Stil auf Gospel, Jazz, Blues und den Barbershop-Gesang.
Zu den prägenden Gruppen zählen The Orioles, The Clovers, The Dominoes, The Platters, The Penguins und später Dion and the Belmonts. Wie groß der kommerzielle Anteil war, beziffert die deutsche Wikipedia: Zwischen 1955 und 1963 seien rund fünfzehn Prozent aller Nummer-eins-Hits der US-Billboard-Charts dem Genre zuzurechnen; als Klassiker nennt sie „Sh-Boom” und „Earth Angel”, beide 1954. Das Ende setzt sie auf Anfang 1964 mit der British Invasion; die englische Fassung spricht zurückhaltender von kommerzieller Tragfähigkeit bis in die frühen 1960er Jahre.
Der Name Doo Wop
Hier widersprechen sich die Quellen offen, und der Widerspruch gehört benannt. Die deutsche Wikipedia führt die Verbreitung des Begriffs auf den New Yorker Discjockey Gus Gossert zurück, der ihn ab 1969 populär gemacht habe. Die englische nennt einen früheren gedruckten Beleg — 1961 im Chicago Defender, im Zusammenhang mit einem Titel der Marcels — und hält ausdrücklich fest, dass die Zuschreibung an Gossert bestritten wurde: Er selbst habe gesagt, der Ausdruck sei in Kalifornien bereits in Gebrauch gewesen.
Was beide Fassungen tragen, ist das Gefälle zwischen Musik und Wort. Der Stil begann Ende der 1940er Jahre, der Name erscheint frühestens 1961 im Druck. Zur Entstehungszeit lief diese Musik unter Rhythm and Blues oder Rock’n’Roll — je nachdem, woher der Künstler kam. Wer eine Aufnahme von 1955 zeitgenössisch als Doo Wop bezeichnet findet, sollte die Quelle prüfen.
Doo Wop in diesem Register
Als Nachbarbegriffe führt dieses Register Jump Blues und Rockabilly. Der Bezug zum Jump Blues ist der gemeinsame Marktname: Beide liefen als Rhythm and Blues, bevor sie eigene Genrebezeichnungen bekamen. Der Bezug zum Rockabilly ist die Zeit, nicht die Musik.
